

Der Jude ist an allem schuld
Liebe Freunde!
Habt Ihr mich schon vermißt? Heute habe ich es endlich geschafft, mich durchzusetzen und mit meinen Klauen den Dell zu behämmern. Das kommt aber auch ein wenig, weil es meiner Herrin zu heiß ist und sie weniger Widerstand leisten kann; am Mittelmeer ist seit einiger Zeit der Sommer ausgebrochen.
Ich nutze die Gelegenheit, Euch mitzuteilen, daß die Olympische Disziplin 2008 des Judengedichtes nicht von meiner Herrin ist, sondern von mirrr! Ich habe die Knittel nicht nur unter die Weisheiten eingereiht, sondern sie auch selbst verfaßt. Meine Herrin ist nämlich bei der Lektüre der Worte des Arnd Krüger über die israelischen Sportler, die freiwillig in den Tod gegangen sein sollen, um sich für Israel zu opfern, so fix&fertig, daß sie nicht Kraft genug hat, an eine Taste zu tippen, geschweige denn drauf.
Der Jude ist an allem schuld.
Haust du den Juden eine rein,
muss es nicht mehr von Juden sein,
von Zimmer- oder Zuckermann,
dass niemand etwa sagen kann,
du hättest etwas gegen sie.
Man braucht nicht mehr den Avnery,
den Chomsky und den Finkelstein,
man kann es wieder ganz allein:
Der Jude ist an allem schuld.
Geschichtsfälschung wird jetzt zum Kult.
Du mußt die Zeichen richtig lesen:
Der Jude ist es doch gewesen!
Schaf, sagt sie, wer hätte es gedacht, daß ich einmal die Antideutschen verstehen werde? Mit Deutschland nix mehr am Käppi, das würde manches klären und regeln. Das ganze Gesülze von allen denjenigen, die keine Antisemiten sein wollen, einfach abhaken, sich nicht mehr wundern, daß dieses Pack nicht einmal die einfachsten Geschichtsdaten der Juden, Palästinas und Israels achtet und sich mausig machen muß mit Geschichtsfälschungen, um den Juden und Israel alles abzuerkennen, was Teil ihrer Identität und Geschichte ist, daß einer wie Arnd Krüger in einem Interview mit dem Hochschulsportmagazin Seitenwechsel das Massaker von Hebron unbeanstandet von seinen Vorgesetzten und Kollegen der Göttinger Universität ins Jahr 1949, ans Ende des Unabhängigkeitskrieges Israels, legen und einen "damaligen Herrscher" erfinden kann, der sich "einen Freifahrtschein für einen Krieg von der Weltöffentlichkeit" besorgt, in dem er "den Tod der Bevölkerung in Kauf" nimmt. Der "damalige Herrscher" ist seit 1920 die Mandatsmacht Großbritannien, mit deren Hilfe die arabischen Staaten am 15. Mai 1948 das soeben im Sinne der UN-Resolution Nr. 181 gegründete Israel überfallen. (1)
Herrin, blöke ich schüchtern, möchtest du, daß ich etwas herzaubere zum Lachen? - Ach, du bist lächerlich genug, wie du da mit steifen Beinchen in deinem Pferch stehst und mich anglotzest, das reicht mir schon und heitert mich auf. Friß dein Heu, sauf dein Wasser und freu dich auf Wilsberg heute abend, das sind doch eh deine Freunde, Wilsberg, Alex, Ecki und die Kommissarin, oder?
So ist meine Herrin immer, sie unterschätzt mich, und Dankbarkeit für meine Beiträge zum Wohlergehen des Haushaltes kennt sie nicht. Erinnert Ihr Euch noch an Titi, den Weberknecht, diesen Nichtsnutz in der Ecke der Wohnzimmerdecke? Das sind die Wesen, die meine Herrin liebt und umsorgt. Sie hat ihm sogar durch geschickte Beleuchtung Fliegen zum Fressen ins Zimmer gelockt, bah!
Jetzt habe ich die Idee zu einer Wette. Herrin, setze ich mutig nach, wetten, daß ich selbst die Texte von Schrebergartenseiten so deuten kann, daß der Jude an allem schuld ist? Schaf, antwortet sie, allein die Idee ist schon so komisch, daß ich dir danke. Mach´ damit, was du willst, aber laß mich mit deinen Dummheiten in Ruhe.
Liebe Freunde, ich weiß nicht, auf was ich mich einlasse, aber ich schaue, was herauskommt.
Schrebergarten
Aus der Gründung des Schreberplatzes, benannt nach dem Orthopäden Dr. Daniel Gottlob Moritz Schreber, durch seinen Schwiegersohn, den unschuldigen Deutschen Dr. Ernst Hauschild, Schuldirektor in Leipzig, entsteht die erste deutsche Kleingartenbewegung. Stadtkinder sollen die Möglichkeit bekommen, unter Aufsicht im Freien zu spielen, Familiengärten werden daraus, die brühmten Schrebergärten. 1919 werden die Kleingartenvereine als gemeinnützig anerkannt, sie erhalten das Gütesiegel der "kleingärtnerischen Gemeinnützigkeit". (2)
Ohne Zustimmung des Arbeits- und Wohlfahrtsministeriums darf zur Zeit der Weimarer Republik in den Kleingartenanlagen kein Ausschank von Alkohol erfolgen oder gar das Vereinsheim zweckfremden Vereinigungen zur Verfügung gestellt werden. (3)
Die Schrebergärten haben eine soziale Funktion für Allgemeinheit, Familien, Kinder und Jugendliche, Berufstätige, Arbeitslose, Immigranten ("Interkulturelle Gärten"), Behinderte, Senioren. Einige nennt man auch Armengärten: Nach Ansicht der Armenfreunde war es auch besser, am Sonntagnachmittag im Garten zu arbeiten, statt im Wirtshaus zu sitzen. Die Anlage von Kleingartenkolonien war eine von vielen Maßnahmen, um Anfang des 19. Jahrhunderts des Armenproblems Herr zu werden. (4)
Klein- und Schrebergärtner sind die Klientel der Sozialdemokraten und Kommunisten. Wer je Freunde in einem Schrebergarten entlang dem Berliner Reichsbahngelände hatte, wird wissen, warum. Ich blöke nur Kuhle Wampe. Der Sozialdemokrat Kurt Stechert beschreibt die Schrebergärten unter dem Titel "Die Villen der Proletarier", als 24-jähriger, im Jahr 1930: "Die Jugend soll sich nicht nur einen Schrebergarten, sondern sie soll sich die Welt erobern. Der Schrebergarten macht die Jugend engstirnig, fesselt sie an einen Ort, macht sie aber nicht reif zu großen Kämpfen." (5)
Weder zu großen noch zu kleinen Kämpfen und erst recht nicht zum Leben in der modernen Welt ertüchtigen diese Gärten! Wilhelm Marr ist nicht nur der Erfinder des Begriffs Antisemitismus, sondern er ist auch Autor der Gartenlaube, der Vorläuferin der Illustrierten. Die Sehnsucht der Deutschen nach Billigromantik kommt in Schrebergärten der Arbeiter und in der Gartenlaube der Bürger gleichermaßen zum Ausdruck. (6)
Im Dritten Reich werden die Klein-, Armen- und Schrebergärten gleichgeschaltet: Der Punkt III/5 des Rundschreibens des Reichsverbandes der Kleingartenvereine Deutschlands vom 6. Mai 1933 lautete: "Die Vereine haben ihrem Ortsverbande bis 24. Mai, die Ortsverbände dem Landes-, Provinzial- und Regierungsbezirksverbände bis 10. Juni zu melden, daß die Gleichschaltung durchgeführt ist. Gleichzeitig sind dabei die neuen Satzungen vorzulegen. ..." (3)
Wer bislang nicht erkennen kann, was all das mit Juden zu tun haben könnte, der wird jetzt entschädigt: Der Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber hat sich um die deutsche Volksgesundheit derartig verdient gemacht, u.a. mit dem Verfassen mehrerer Erziehungsbücher, die zum Teil vierzig Mal aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt wurden, daß es angemessen ist, seinen Namen einer ganzen ebenso beschränkten Bewegung zu geben. Seine Kinder quält er mit Anti-Onaniergeräten, vier seiner Kinder enden durch seine Erziehungsmethoden in der Psychiatrie. Sein Sohn Daniel Paul ist ein berühmter Fall des Sigmund Freud, der kein gutes Haar an den deutschen Erziehungsmethoden läßt. Der Jude muß alles verderben. (7)
Gäbe es keine Juden, gäbe es keine Psychiatrie, und die vier Kinder des Anti-Onaniergeräterfinders wären nicht hineingeraten in sie. Also, gibt es noch einen Zweifel, daß der Jude an allem schuld ist?
Blök!
Euer Schaf
das jedem einen Euro gibt, der einen Fall bringt,
in dem der Jude, die Juden, Israel oder die Israelis nicht schuld sind!
5. Juli 2008
Quellen
(1) What happened during the Arab riots of 1929? Palestine Facts
http://www.palestinefacts.org/pf_mandate_riots_1929.php
Göttinger Verschwörungstheorien. Lizas Welt, 2. Juli 2008
http://www.lizaswelt.net/2008/07/gttinger-verschwrungstheori en.html
(2) Schrebergarten. Hausgarten.net
http://www.hausgarten.net/gartenformen/innenhof-vorgarten/sc hrebergarten.html
(3) So war es damals! (kleingärtnerische Gemeinnützigkeit um 1920). Kreisverband der Kleingärtner
http://www.kv-aue.de/geschichte/damals.html
(4) Kleingarten. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Kleingarten
Armengärten. Schleswig-Holstein von A bis Z
http://www.geschichte-s-h.de/vonabisz/armengaerten.htm
(5) Wer Gott vertraut und Bretter klaut, der hat ´ne schöne Laube. Scheinschlag, Ausgabe 6/2003
http://www.scheinschlag.de/archiv/2003/06_2003/texte/35.html
(6) Marr, Wilhelm. Von Uwe Puschner. Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon, Band V (1993) Spalten 879-883
http://www.bautz.de/bbkl/m/marr.shtml
(7) Onanieren. Bela B. Der Große Felsenheimer
http://www.bela-b.de/bela2006/lexikon.php?action=3&id=24
Daniel Paul Schreber (1842 - 1911). Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Paul_Schreber
Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808 - 1861). Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Gottlob_Moritz_Schreber