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François Bayrou gegen die USA und gegen Nicolas Sarkozy

Der José Bové für Führungskräfte ist zurück aus dem längeren Urlaub. Während der Sommerpause schweigt der ehemalige Bauer aus dem Béarn sich aus, und man hätte ihn beinahe vergessen, aber da rechnet man nicht mit einem echten Widerstandskämpfer!

Wie alle, die keine alternative Politik anzubieten haben im heutigen Frankreich ist er erst einmal gegen Nicolas Sarkozy. Gegen den sind allerdings schon viele, von den Linksradikalen bis hin zur Mitte des Parti Socialiste (PS), Olivier Besancenot, Marie-Georges Buffet, François Hollande etc. Der Rest des PS sucht seinen Platz noch und ist damit ein weiteres Jahr beschäftigt. Derweil arbeitet das bessere Personal des PS, der langen Querelen mit Parteiapparatschiks überdrüssig, in der Regierung des Nicolas Sarkozy oder als Berater mit an der rupture, dem Bruch mit der alten seit Charles de Gaulle gepflegten etatistischen Großmannspolitik der Grande Nation.

Um die inzwischen in drei Strömungen zersplitterte Mitte der Union pour la Démocratie Française (UDF) zu vereinen, der Vereinigung für die französische (sic!) Demokratie, muß ein griffiges Konzept her, aber dalli! Was läge näher, als in die alte Trickkiste zu greifen und den in Europa bewährten Anti-Amerikanismus hervorzuholen. Man muß ihn nicht einmal abstauben; denn er ist der ständige Begleiter französischer Politiker und ihrer Medien.

François Bayrou widmet sich diesem beliebten Treiben auf dem Forum der Demokraten, in Seignosse, in der Abschlußrede, vom 16. September 2007: Gegen Nicolas Sarkozy, seinen Umgang mit den Institutionen und seine "Anpassung an das dominierende Modell", was heißt, an dasjenige, das in den USA triumphiert, schreibt Philippe Goulliaud im Figaro. (1)

François Bayrou vertritt dabei die Gruppe des Mouvement Démocrate (MoDem), einen Rohrkrepierer mit eingebautem Zeitzünder. (2)

In zwei Artikeln habe ich den Scharlatan vorgestellt, der sich wie die nationalen Sozialisten gegen das raffende Kapital vs. das schaffende wendet: Geld statt Kapital, und der das idealisierte Landleben preist; eine solche Politik wäre über Frankreich gekommen, wenn er statt Ségolène Royal in den zweiten Durchgang zur Wahl des Präsidenten gekommen wäre. Das aus dem nichts wird, ist das einzige, was man dem Charme der Ségolène Royal positiv anrechnen sollte. (3)

Umfragen des Figaro unter seinen Lesern geben dem François Bayrou keine Chance, jemals wieder an vorderster Stelle in der Politik Frankreichs mitzumischen, aber das ficht den hemdsärmeligen Volksredner nicht an: "Ich bin weder im Krieg noch im Guerillakampf" mit Sarkozy, sagt er, der noch zwei Tage vor seiner Rede vom Staatspräsidenten empfangen wird und sich in schmeichelhaften Worten über ihn ergeht, aber "alle seine Entscheidungen zeigen, daß er Frankreich nicht in den Widerstand gegen, sondern in die Anpassung an das dominierende Modell führt". 2500 Vereinigte für die französische Demokratie hören sich die Anklagen in Seignosse an, "die sich häufenden Gesten gegenüber der Welt des Geldes, dem CAC 40 (dem französischen DAX), den Milliardären, der Welt des Fouquet´s, die Politik der Schlagzeilen, die Lobpreisung der Hot-dogs mit Vater Bush, Mutter Bush, und Ehepaar Bush", und ironisierend habe er ergänzt: "Und was ich an diesem Tag besonders geliebt habe, daß Cécilia eine Halsentzündung hatte." Nichts als Neid, Mißgunst und Häme sprechen aus diesen Worten. Man könnte sie bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm vernommen haben.

Alle Präsidenten der Fünften Republik, vom General Charles de Gaulle bis zu Jacques Chirac wären "Fackelträger der französischen Unabhängigkeit" gewesen, mit Sarkozy: "voilà la rupture". Die Abarbeitung der Folgen dieser verfehlten Politik überläßt er der Regierung. Man könnte allerdings auch annehmen, daß François Bayrou sie gar nicht wahrnimmt. 2 Billionen Euro Staatsverschuldung, doppelt so viele Staatsbedienstete wie in Deutschland, bei 20 Millionen weniger Einwohnern, das geht den Protestler nichts an, und auch die Teilnehmer am Spektakel in Seignosse kümmert mehr der Aufbau eines Apparates des MoDem auf lokaler und nationaler Ebene und die Vereinigung der Strömungen, als eine Kritik an diesem bräunlichen Gebräu.

Enthusiastische Mitglieder des MoDem werden zu den Gemeindewahlen, im März 2008, antreten, meint ihr Vorsitzender, es gibt nur ein kleines Problem, daß nämlich die Funktionäre und Abgeordneten der UDF dem François Bayrou nicht folgen, um ihre Verbindung auf nationaler Ebene mit der UMP des Nicolas Sarkozy nicht zu gefährden. An der Strategie der Quadratur des Kreises wird noch gearbeitet, viele Möglichkeiten bieten sich an: MoDem-Kandidaten aller Couleur auf autonomen offenen Listen im ersten Wahldurchgang hier, sofortige Unterstützung von UMP-Kandidaten da, um im zweiten Durchgang von Fall zu Fall unvoreingenommen neue Bündnisse einzugehen, je nach Angebot.

Opportunismus reinsten Wassers: rette sich, wer kann!

17. September 2007

Quellen

(1) FORUM DES DEMOCRATES - SEIGNOSSE - 13 AU 16 SEPTEMBRE 2007
http://www.udf.org/index.html

(2) Bayrou fait entrer le MoDem en "résistance". Par Philippe Goulliaud, Le Figaro, 17 septembre 2007
http://tinyurl.com/2qz493

(3) Jacques Chirac und François Bayrou, der José Bové für Führungskräfte. 12. März 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-03-12_20-07-39.html

François Bayrou Gentleman-Einbrecher. 14. März 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-03-14_19-47-00.html


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2007-09-17_13-46-53.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 06.01.2009, 02:02 Uhr