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Johann Wolfgang von Goethe: Kalifen. Dokumentation

Um aber in unsern eigensten Kreis zurückzukehren, wiederholen wir, dass die Sassaniden bei vierhundert Jahre regierten, vielleicht zuletzt nicht mit früherer Kraft und Glanz; doch hätten sie sich wohl noch eine Weile erhalten, wäre die Macht der Araber nicht dergestalt gewachsen, dass ihr zu widerstehen kein älteres Reich imstande war. Schon unter Omar, bald nach Mahomet, ging jene Dynastie zugrunde, welche die altpersische Religion gehegt und einen seltenen Grad der Kultur verbreitet hatte. (1)

Die Araber stürmten sogleich auf alle Bücher los, nach ihrer Ansicht nur überflüssige oder schädliche Schreibereien; sie zerstörten alle Denkmale der Literatur, so dass kaum die geringsten Bruchstücke zu uns gelangen konnten. Die sogleich eingeführte arabische Sprache verhinderte jede Wiederherstellung dessen, was nationell heißen konnte. Doch auch hier überwog die Bildung des Überwundenen nach und nach die Rohheit des Überwinders, und die mahometanischen Sieger gefielen sich in der Prachtliebe, den angenehmen Sitten und den dichterischen Resten der Besiegten. Daher bleibt noch immer als die glänzendste Epoche berühmt die Zeit, wo die Barmekiden Einfluss hatten zu Bagdad. Diese, von Balch abstammend, nicht sowohl selbst Mönche als Patrone und Beschützer großer Klöster und Bildungsanstalten, bewahrten unter sich das heilige Feuer der Dicht- und Redekunst und behaupteten durch ihre Weltklugheit und Charaktergröße einen hohen Rang auch in der politischen Sphäre. Die Zeit der Barmekiden heißt daher sprichwörtlich: Eine Zeit lokalen, lebendigen Wesens und Wirkens, von der man, wenn sie vorüber ist, nur hoffen kann, dass sie erst nach geraumen Jahren an fremden Orten unter ähnlichen Umständen vielleicht wieder aufquellen werde. (2)

Aber auch das Kalifat war von kurzer Dauer; das ungeheure Reich erhielt sich kaum vierhundert Jahre; die entfernteren Statthalter machten sich nach und nach mehr und mehr unabhängig, indem sie den Kalifen als eine geistliche, Titel und Pfründen spendende Macht allenfalls gelten ließen. (3)

Johann Wolfgang von Goethe: Kalifen. Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans
http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/diwan/14.htm

Johann Wolfgang von Goethe: West-östlicher Divan (seit Juni 1814, einzelne im März und im Sommer 1816 gedruckt, bis die ganze Sammlung vom März bis Juli 1818, erschienen 1819, vervollständigt 1827, vermehrt 1836)
http://www.textlog.de/goethe-divan.html

21. Oktober 2010

Quellen

(1) Sassanidenreich. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich

Zeittafel 2: Geschichte des Mittelalters, pinselpark
http://www.pinselpark.org/geschichte/tabellen/p0375p1000mitt elalter2.html

(2) Barmakiden. Meyers Konversations-Lexikon
http://www.peter-hug.ch/lexikon/Barmakiden

Sylvain Gouguenheim wird in der "Libération" und der "Welt" vorgeführt.
9. Mai 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-05-09_01-25-52.html

Sylvain Gouguenheim: Der Historiker zum Abschießen. 21. Juli 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-07-21_21-37-20.html

(3) Einführung in die Geschichte der islamischen Länder. Das mittlere
abbasidische Kalifat. Die Zeit der "Prüfung". Die Sklavenarmee. Samarra.
Orientalisches Institut. Philosophische Fakultät I der Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg
http://tinyurl.com/2a9nhm6

Christian Wulff und das Goethe-Zitat

Wer sich selbst und andere kennt,
wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen.

Rede von Bundespräsident Christian Wulff zum 20. Jahrestag der
Deutschen Einheit in Bremen. 3. Oktober 2010
http://tinyurl.com/335uguq

Faktentest: Christian Wulff und das Goethe-Zitat. Dr. Webbaer, 6. Oktober
http://tinyurl.com/2fqcevl

"Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!". Von Joachim Steinhöfel,
20. Oktober 2010
http://tinyurl.com/2bymn8m

Deutschlandlied. Zeitgemäße Anpassung des Textes. 4. Oktober 2010
http://eussner.net/artikel_2010-10-04_15-22-19.html

Biedermann und die Attentäter. Referate Guru neu erzählt. 5. Oktober 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-10-05_14-36-56.html

Der Islam gehört zu Deutschland wie Christian Wulff ins Bundespräsidialamt.


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