Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

Von der Obamanie gepackt, entdecken die Studenten die Politik

Die Hofstra Universität im Vorort von New York, ist einige Stunden vor der letzten Debatte der Präsidentschaftskandidaten in hellem Aufruhr. (1)

... Niemals hat Amerika unter den 18- bis 25 Jährigen, die fast ein Viertel der Wählerschaft ausmachen, eine solche Schwärmerei für eine Präsidentenwahl gekannt. Es sind Millionen, die sich haben registrieren lassen, und wenn sie sich am 4. November wirklich bewegen, wird es das erste Mal sein, daß die Stimmabgabe der Jugend (des jeunes) eine so entscheidende Rolle in einer Wahl spielen wird. "Das ist derartig cool geworden, über Politik zu reden, daß du dumm dastehst, wenn du dich darin nicht auskennst," fährt Rachel Myers fort, die dralle Tischnachbarin von Ian. Die Schauspielschülerin kennt das Programm der Kandidaten nicht genau, aber seit sie beim Anschauen ihres Idols auf You Tube von der Obamanie gepackt ist, verwendet sie viel Zeit darauf, ihre verschwommenen Überzeugungen mit ihren unentschiedenen Kameraden zu teilen, und sie will unbedingt zu der Generation gehören, die den ersten schwarzen Präsidenten in der Geschichte der USA wählt. (2)

Historische Schwärmerei

Genau auf diese Jugendlichen setzt das Obama-Lager, während es Schwierigkeiten hat, die Wähler aus der Arbeiterklasse (classe ouvrière) zu überzeugen. Kaylee Schmidt, Klassenkameradin von Rachel, gehört zu eben den Unentschiedenen. Überzeugte Republikanerin, hätte sie McCain gewählt, wenn der Druck ihrer Kameraden sie nicht angetrieben hätte, "nachzudenken". "Ich wähle nicht um jeden Preis republikanisch, wenn mein Herz nicht dabei ist," räumt sie unter den zustimmenden Blicken von Rachel ein. Der Druck ist enorm auf dem Campus, und Kaylee tut sich schwer, der Obama-Brandungswelle standzuhalten. Nach einer aktuellen Umfrage von MTV-USA Today Gallup, neigen 61 Prozent der Jugendlichen dazu, Obama zu wählen, gegen 31 Prozent für McCain. Um besser "nachzudenken", hat sich Kaylee in zwei Politikseminare eingeschrieben.

Die Hofstra Universität organisiert nicht nur die letzte Debatte vor den Wahlen, sie hat auch während des gesamten Jahres 2008 ein umfangreiches Programm der politischen Information aufgelegt, um die bekanntermaßen apathischen Studenten zu sensibilisieren. Thematische Seminare, Konferenzen, Konzerte, Shows, sportliche Wettkämpfe, alle Mittel sind recht. Richard Himelfarb, Professor für politische Wissenschaften, ist dennoch nicht überzeugt, daß sich das Interesse der Studenten umsetzt in massive Wahlbeteiligung: "Sie wollen die Welt verändern, aber zwischen der Einschreibung und dem Gang zur Wahl ist es ein großer Schritt im Kopf eines Studenten." ... (3)

Richard Himelfarb: Mit den Studenten in den Wahlkampf der Demokraten

Nahm mit Studenten an einer Versammlung der Demokraten zur Nominierung ihres Präsidentschaftskandidaten teil; leitete eine dreitägige Exkursion der Studenten zu der Vorausscheidung (primariy) in New Hampshire; Politik des Präsidenten; Gesundheitswesen und Regierung; Soziale Sicherung. (4)

Robb Friedlander, President "Hofstra for Obama", im Wahlkampf für sein Idol

Friedlander, 18 Jahre, gründete "Hofstra für Obama", eine studentische Wahlkampfgruppe, gemeinsam mit dem höheren Semester Sid Nathan, 22 Jahre, und die Gruppe hat in Pennsylvania Wahlkampf für Obama gemacht, wo sie den Kampagnen halfen, die Wähler an die Urnen zu treiben. (5)

Am wenigsten gebildete und intolerante Wähler gegen Barack Obama

Eine neuere von der Universität Stanford durchgeführte Untersuchung schätzt ein, daß die Spanne zwischen den Aussagen der Befragten und ihrer tatsächlichen Stimmabgabe am 4. November 6 Prozent der Stimmen erreichen könnte. Eine Erklärung führt es zurück auf das Zögern der befragten Personen, ihre Meinung über einen schwarzen Kandidaten auszudrücken, aus Furcht davor, als Rassisten zu gelten. "Ich gehöre zu denen, die meinen, daß der Bradley-Effekt noch immer eine Rolle spielt," bekräftigt Michael Dawson, Politologe an der Universität von Chicago. Die Meinungsforscher erkennen an, daß sie es schwer haben, bei den Umfragen die Teilnahme der am wenigsten gebildeten Wähler zu gewährleisten, eben derjenigen, die Barack Obama nicht überzeugen kann. Im Gegensatz dazu antworten die mehrheitlich Demokratischen Studenten und Jugendlichen den Meinungsforschern freiwillig. (6)

"Bis zu welchem Grad sind die intoleranten (sic!) Leute unterrepräsentiert in unseren Studien?" Die Frage bleibt offen, gibt Andrew Kohut vom Pew Research Center zu ... (7)

Michael Dawson: Er ist schwarz und wir sind stolz

Der Vorwahlkampf der Demokraten hat ein gefährliches Stadium erreicht für die Schwarzen. Es ist dazu gekommen. Beide, das Obama- und das Clinton-Lager sind anscheinend bereit, schwarze Bürgerrechte zu opfern, um die Nominierung der Demokraten für die Präsidentschaft zu gewinnen. (8)

Wie Obama von allen am meisten vom wiedererwachenden schwarzen Nationalismus profitiert.

Es ist schon äußerst ironisch, daß Barack Obama, der Kandidat, der die Rassenfrage in dieser Kampagne begraben will, seine überwältigende Unterstützung unter Schwarzen der fortwährenden Macht des schwarzen Nationalismus verdankt. Für eineinhalb Jahrhunderte war der schwarze Nationalismus die hauptsächliche ideologische Herausforderung für die linksliberalen, sozialdemokratischen Gefühle, die schwarze Politik immer dominiert haben.

Es ist wahrscheinlich, daß die Unterstützung für Senator Obama unter den Afro-Amerikanern geteilt geblieben wäre ohne den kontinuierlichen ideologischen Einfluß des schwarzen Nationalismus. (9)

Nur rassistische Demokraten stimmen nicht für Barack Obama

Aus der Umfrage der Stanford Universität: "Eigenschaftswörter, die Schwarze beschreiben" ... "Wie gut beschreibt eines dieser Wörter Schwarze?" In mancher Weise sind die Antworten auf diese Frage eher ein Test, ob jemand politisch korrekt ist bis an den Rand der Wahnvorstellungen. Beispielsweise sind die Antworten von Weißen auf "law-abiding" and "violent", "gesetzestreu" und "gewalttätig":

Demokraten: um 25 Prozent - 15 Prozent
Alle Weißen: um 20 Prozent - 20 Prozent
Unabhängige: um 17 Prozent - 23 Prozent
Republikaner: um 14 Prozent - 22 Prozent

Dieses Eigenschaftswort ist gräßlich ungenau. Wenn man jedoch die hohe Kriminalitätsrate unter Schwarzen erwägt, könnte man diejenigen, die mit ja antworten, für solche halten, die dies nicht auf Grund von Vorurteilen, sondern einfacher Tatsachen wegen tun. Passendere Fragen hätten versucht sicherzustellen, ob die Antwortenden denken, daß alle Schwarzen, viele Schwarze, Schwarze der gleichen sozio-ökonomischen Klasse wie Obama oder viele junge männliche Schwarze "gesetzestreu" oder "gewalttätig" sind. (10)

Die Berichterstattung und die Meinung des Figaro stützen sich allein auf die Auswertung von solchen Quellen und die Gespräche mit solchen Personen, die eindeutig auf der Seite der Demokraten stehen. Republikanische Quellen und Interviews mit Republikanern werden nicht genutzt. Kaylee Schmidt, von Adèle Smith als einzige den Republikanern bislang positiv gegenüberstehende Person erwähnt, wird soeben von ihrer Kameradin Rachel Myers, die selbst keine Ahnung von der Politik hat, unter Druck gesetzt, ihre politische Ansicht zu ändern und Barack Obama zu wählen. Und was die Hofstra Universität angeht, so ist sie schon immer eine Hochburg der Demokraten. Einmal mehr wird der Kandidat der Republikaner ein Auswärtsspiel bestreiten müssen. Möge der 71-jährige Moderator Bob Schieffer, das Urgestein von CBS News, nicht wie Gwen Ifill eindeutig Partei ergreifen für den Kandidaten der Demokraten, so wie er es 2004 im Schlußduell zwischen George W. Bush und John Kerry getan hat - aber das würden europäische Medien wahrscheinlich eh nicht berichten, sondern ihre vorgefaßte Meinung verbreiten. (11)

Der Figaro jedenfalls informiert nicht, sondern er ist ein Medium der politischen Indoktrination.

Das Duell beginnt am 16. Oktober 2008, um 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit. ARD und Phoenix senden ab 2:50 Uhr direkt aus der Hofstra Universität. (12)

Übersetzung: Gudrun Eussner, 15. Oktober 2008

Quellen

(1) Hofstra University. Largest Private College on Long Island, New York
http://www.hofstra.edu/home/index.html

Stuart Rabinowitz, Hofstra University´s 8th President since December 20, 2000
http://www.nationmaster.com/encyclopedia/Stuart-Rabinowitz

(2) Rachel Myers. Big Thick Rod
http://rabbitholeensemble.com/bigthickrod/cast_crew.html

(3) Gagnés par l´obamania, les étudiants découvrent la politique. Par Adèle Smith,
Le Figaro, 15 octobre, p. 6
Gagnés par l´obamania, les étudiants se politisent. Par Adèle Smith,
Le Figaro, 14 octobre 2008
http://tinyurl.com/47nmys

(4) Faculty Experts. Hofstra University
http://www.hofstra.edu/Debate/debate_media_experts.html

Democratic National Convention (DNC). Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Democratic_National_Convention

(5) Turnout increasing among young college voters. By Samuel Rubenfeld, HofstraChronicle.com, May 8, 2008
http://tinyurl.com/3fmhj9

Get Out The Vote. The Democratic Party
http://www.democrats.org/a/2006/11/get_out_the_vot.php

(6) Bradley Effect. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Bradley_effect

(7) Les sondages sont-ils trompeurs ? Par Philippe Gélie,
Le Figaro, 15 octobre 2008, p. 15
http://tinyurl.com/3ljf8j

(8) Michael Dawson, Professor in the Department of Political Science,
University of Chicago
http://experts.uchicago.edu/experts.php?id=350

End Games. Michael Dawson, Archive for ´Obama´, May 8, 2008
http://www.michaeldawson.net/blog/topics/obama/

(9) He´s Black and We´re Proud. By Michael Dawson, The Root,
February 27, 2008
http://www.theroot.com/id/44997

(10) Stanford University/Associated Press: only rassist Dems won´t vote for Obama (biased poll, Knowledge Networks). By MultiCultiCult, 24ahead.com, September 20, 2008
http://24ahead.com/blog/archives/008019.html

(11) 2008 Presidential Debate, October 15, 2008. Hofstra University
http://www.hofstra.edu/debate/

Bob Schieffer Tilted Strongly Left in the Final 2004 Debate. By Tim Graham, NewsBusters, October 15, 2008
http://tinyurl.com/522orp

Bob Schieffer. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Bob_Schieffer

(12) US-Wahl: Letztes TV-Duell Obama - McCain live in der ARD,
inside-digital.de, 15. Oktober 2008
http://www.inside-digital.de/news/10470.html

Siehe auch:

Chicago Boys & Girls agitieren die Juden in Florida für Barack Obama.
14. Oktober 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-10-14_00-04-33.html

Wahlkampf 2008 in den USA: Aller guten Dinge sind drei - oder mehr!
11. Oktober 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-10-11_21-41-55.html

Der Schatzgräber findet in Barack Hussein Obama den Messias.
Fundsachen, 8. Oktober 2008
http://www.eussner.net/fundsachen_2008-10-08_14-54-32.html

Barack Hussein Obama oder: Rassismus pur. 5. Oktober 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-10-05_23-00-58.html

Illusionen des "Figaro": Möge Barack Hussein Obama gewinnen!
Schaf, 4. Oktober 2008
http://www.eussner.net/schaf_2008-10-04_17-11-17.html

Sarah Palin for Vice-President! Schaf, 3. Oktober 2008
http://www.eussner.net/schaf_2008-10-03_21-46-38.html


Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken
Zurück zur vorigen Seite Zum Archivdieses Abschnitts Weiter zur nächsten Seite