
Wolfgang Menge: Hallo Nachbarn! Mit Adrian und Alexander ...
Das ist eine umwerfend gute Rundfunksendung von Wolfgang Menge, im Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR). Die höre ich ab Ende der 50er Jahre möglichst leise, mit Ohr am Lauti, weil sie erst so gegen 22 Uhr kommt, kann auch sein, später, und ich das nicht hören darf, weil noch viel zu jung: (1)
Nach dem Krieg lernt Wolfgang Menge das journalistische Handwerk von der Pike auf: zunächst beim "German-News-Service", der späteren "dpa". Ab 1949 arbeitet er als Reporter des "Hamburger Abendblatts" und wird 1954 Korrespondent der WELT in Tokio und Hongkong. Schon während dieser Zeit legt Wolfgang Menge erste Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen vor - die satirische Dialog-Serie "Adrian und Alexander" für den NWDR-Hörfunk beispielsweise, aus der die Fernsehserie "Hallo Nachbarn" hervorgeht. (2)
Es fängt, auch wenn´s Günter Gaus nicht weiß, immer an mit einem Trompetensolo, wahrscheinlich von Clifford Brown, und dem Song All the things you are to me ... , dann heißt´s Halllllooo Nachbarn! ... Es folgen Adrian und sein Papagei Alexander mit mehreren Dialogen. Adrian fragt seinen Papagei, was er zu den Geschichten meint, und der krächzt: oläkuläkulä. (3)
Aus einer der Folgen stammt das Zitat aus der Wissenschaft der Logik: Ein Weiser ist beim Sultan in Ungnade gefallen, da der Sultan ein milder Herrscher ist, darf der Weise selbst bestimmen, ob er geköpft wird oder gehängt. Damit fängt die Sendung an. Die Todesart richtet sich danach, ob der Weise einen Satz sagt, der wahr ist, oder einen der unwahr ist. Dann kommt in der Sendung eine andere Geschichte.
Danach sagt der Weise den Satz: Ich werde gehängt.
Dann geht´s in der Sendung um die nächste bizarre Geschichte. Der Sultan schließt daran an: Also, du hast gesagt, du wirst gehängt. Wenn der Satz wahr ist, wirst du geköpft. Du hast aber gesagt, du wirst gehängt ... Es wird ausgeblendet und wieder ein anderer Dialog zwischen Adrian und Alexander folgt. Anschließend geht´s mit dem Sultan weiter: Wenn das die Wahrheit ist, wirst du geköpft. Du hast aber gesagt, du wirst gehängt. Also hast du die Unwahrheit gesagt, und du wirst gehängt ... Dann kommt ein neuer Dialog. Anschließend geht´s weiter: Du hast aber gesagt, du wirst gehängt, also hast du die Wahrheit gesagt ... Na, usw. bis zum Schluß der Sendung, ich weiß nicht mehr, wie lange die gedauert hat, eine Stunde? Am Ende ist der Sultan gerührt über die Weisheit des Weisen und begnadigt ihn. Wie die Sultane das im richtigen Leben ebenso machen.
Dieser Weise fasziniert mich derartig, daß es ein Grund für mich wird, Philosophie zu studieren. Über die "absolute Wahrheit" hätte ich dank Wolfgang Menge schon da alles Wissenswerte ein für allemal und abschließend wissen können.
Dann erinnere ich mich noch an eine Sache aus Südafrika. Eine schwarze Frau wird schwanger, aber nicht von ihrem Mann. Da das eine schlimme Verfehlung ist, erzählt sie bei einer Befragung durch ihren Stamm, warum sie schwanger geworden ist: Jeden Tag, wenn ihr Mann zur Arbeit geht (bei De Beers in den Diamantenminen?) kommt auf ihr Lager der Tokoloshe mit dem grünen Grashut. Der hat die Schuld. Das führt mich aus der Enge meines ostwestfälischen Zimmers in weite Welten, von denen ich keine Ahnung habe. (4)
Zum Schluß der Sendung wird Nighty Night ... gespielt, Wahnsinn!
Nighty night, until tomorrow
Nighty night, for what sweet sorrow
To be parting dear, from you
With a farewell kiss or two (or three)
Nighty night, while my arms take you
Nighty night, till birdies wake you
Dream of me and just sleep tight
Darling, nighty night.
Nighty night, while my arms take you
Nighty night, till birdies wake you
Dream of me and just sleep tight
Darling, oh, good night.
Nighty Night, until tomorrow ..., von 1941, gesungen von Yvonne King und einem Chor, ist von Alvino Rey. Es ist der Song, mit dem der Vergnügungspark Kennywood, in Pittsburgh, seinen Tag beendet: Dream of me and just sleep tight/ Darling, nighty night ist der schönste Teil des Songs. (5)
Einen Song der Andrew Sisters, die Wolfgang Menge im Interview mit Günter Gaus erwähnt, gibt´s von mir gratis drein: Bei mir bist du schejn ... (6)
Danke, Wolfgang Menge, und alles Gute!
8. August 2008
Quellen
(1) Wolfgang Menge. Regisseur, Drehbuchautor, Deutsches-Filmhaus.de
http://tinyurl.com/58dzec
(2) "Geliebtes Ekel". Wolfgang Menge zum 75. Geburtstag. Ein Film von
Barbara Block, Das Erste, 22. April 1999
http://www.wdr.de/tv/dokumentation/menge.html
(3) All the things you are. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/All_the_Things_You_Are
Lyrics. All the things you are. Clifford Brown Albums. Release Date: 1953
http://ca.music.yahoo.com/release/157417
(4) Tokoloshe. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Tokoloshe
Tikoloshe. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Tikoloshe
(5) Nighty Night Kennywood. Alvino Rey. The Coasterjunkie, YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=l0O_HYzCEzQ&feature=related
(6) Andrew Sisters: Bei mir bist du schejn. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=4Vvo3MaFcxw
Günter Gaus im Gespräch mit Wolfgang Menge, RBB-Online, 14. Januar 2004
http://www.rbb-online.de/_/zurperson/beitrag_jsp/key=7332901 .html
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