
Mohammed al-Dura, Esther Schapira und die Ména
Nachdem die Begeisterung über den Freispruch von Philippe Karsenty sich bei ihm und denjenigen, die ihn ihm gewünscht haben, ein wenig gelegt hat, und nun der nächste Skandal in der Affäre Mohammed al-Dura zu bestaunen ist, nämlich der Appell des Nouvel Observateur (NouvelObs) zur Bekundung der Ehrenhaftigkeit des Charles Enderlin, ist es endlich an der Zeit, diejenigen zu benennen, denen die Verbreitung der Tatsachen über die Fälschung des staatlichen Fernsehsenders France 2 zu verdanken ist. (1)
Dabei handelt es sich nicht um Philippe Karsenty, der inzwischen in den USA herumgereicht wird und die Geschichte des errungenen Sieges der Wahrheit über die Arabienpolitik des Jacques Chirac und seines beflissenen Korrespondenten Charles Enderlin verkündet, sondern um die deutsche Journalistin Esther Schapira, die den 45-minütigen Dokumentarfilm Drei Kugeln und ein totes Kind über das inzwischen weltweit berühmte Bild dreht, sowie die kleine Anfang 2001 gegründete Nachrichtenagentur Metula News Agency (Ména), die vom Norden Israels, an der Grenze zum Libanon und mit Blick auf Waffen transportierende Kämpfer der Hezbollah und ihre Freunde von der UNIFIL, Berichte direkt aus dem Zeitgeschehen liefert. (2)
Gérard Huber, Korrespondent der Ména in Paris, widmet Esther Schapira am 18. Juni 2002 einen Artikel, der in französisch und englisch auf der Site der Ména erscheint; sie und auf Grund ihrer Recherchen auch die Mitarbeiter der Ména bezweifeln, was Jacques Chirac sofort klar ist, daß Mohammed al-Dura ermordet worden ist; von wem, ergibt sich daraus für den Staatspräsidenten. (3)
Die Arabicnews.com berichten, am 6. Oktober 2000: "Chirac hofft, daß es eine Untersuchung geben wird über den Mord an dem palästinensischen Kind Rami al-Derra." Diese Äußerung tut er am Mittwoch, den 4. Oktober 2000, auf einem Arbeitstreffen, im Elysée Palast, gegenüber dem palästinensischen Minister für Kultur und Information Yasser Abd Rabbu und einer palästinensischen Delegation. Man sieht, daß der Staatspräsident nichts weiß bis auf eines, daß der Junge, ermordet worden ist, und die Arabicnews.com legen noch einen weiteren angeblichen Mord nach: Auch ein 10-jähriges Kind wurde am Mittwoch (4. Oktober 2000) durch Kugeln israelischer Soldaten getötet, am selben Ort, wo das Kind al-Derra nahe der Netzarim-Siedlung, im Gaza Streifen, getötet wurde. Das Wissen teilt er mit dem Comité Solidarité avec la Palestine. Von dem weiteren "Mord" liest und hört man nirgends sonst - oder habe ich etwas versäumt? (4)
Esther Schapira erhält von Arlette Chabot, der Informationsdirektorin von France 2, keine Einsicht in das Filmmaterial; und auch Gérard Huber beendet, nachdem er vergeblich im Namen der Ména und seiner professionellen Arbeit um Einsicht in das Filmmaterial gebeten hat, im Dezember 2002 seine für die Nachrichtenagentur durchgeführten Untersuchungen: Contre-expertise d´une mise en scène, Gegengutachten zu einer Inszenierung. Das Buch erscheint im März 2003. Die Ména greift darin die Untersuchungsergebnisse zweier Zivilisten auf, des Ingenieurs Yosseff Doriel und des Physikers Nahum Shahaf, die Generalmajor Yom Tov Samia mit der Untersuchung des Falles beauftragt. Gérard Huber widmet dem Dossier der Esther Schapira ein eigenes, 46 Seiten umfassendes Kapitel: Des dossiers au reportage d´Esther Schapira, die Materialien zur Reportage von Esther Schapira.
Den ersten Artikel über den Fall veröffentlicht Philippe Karsenty auf seiner Site, am 22. November 2004. Dennoch beschwert er sich öffentlich darüber, daß die Ména behaupte, er verbreite nur Artikel, die von der Ména stammten. Damit hat er insofern recht, als er nicht "nur" Ména-Beiträge verarbeitet, sondern wie jeder, der sich mit der Affäre befaßt, auch andere.
Über Gérard Huber schreibt er: Das ist ein französischer Psychoanalytiker, Gérard Huber, der anschließend die Arbeit von Nahum Shahaf aufgegriffen hat. Er hat sie der Ména übergeben und im Januar 2003 in den Éditions Raphaël ein Buch veröffentlicht: "Gegengutachten zu einer Inszenierung." Die wichtige Rolle der Ména in dieser Affäre war, die Arbeit der Herren Shahaf und Huber dem francophonen Publikum bekanntzumachen. Alles übrige schreibt er sich und seinen Aktivitäten zu.
Die Darstellung, die er von Gérard Hubers Beziehung zur Ména gibt, ist unzutreffend, und das kann ihm nach der Lektüre des Buches nur als bewußte Irreführung der Leser ausgelegt werden. Auf Seite 170 seines Buches vermerkt Gérard Huber: Zur Stunde, da ich dieses Buch beende, Mitte Dezember 2002, und nachdem ich vergeblich unter Hinweis auf meinen Beruf und im Namen der Ména Olivier Mazerolle (seinerzeit Informationsdirektor bei France 2) gebeten habe, die Filmkopien zu sehen, so wie er es vorgeschlagen hat während eines Gesprächs in einem jüdischen Radio ... (5)
Die Ména läßt nicht locker, die nach und nach zutage tretenden Widersprüche und Lügen aufzudecken. Zahlreiche Artikel auf ihrer Site sowie das von Gérard Huber im Auftrag der Ména verfaßte Buch beweisen dies. Gérard Huber vermittelt Stéphane Juffa, dem Chefredakteur der Ména, Anfang September 2002, ein Interview mit Nahum Shahaf; weitere folgen. L´affaire Mohamad A-Dura, une immense imposture ? Die Affäre Mohammed al-Dura, eine riesige Hochstapelei? Unter dem Artikel von Stéphane Juffa Tsahal demande – une fois de plus – copie des rushes à France 2 kann man zusätzlich sechs Links zur Affäre finden. (6)
Philippe Karsenty tut das gleiche wie ich, nämlich die von anderen gefundenen Ergebnisse zu veröffentlichen und sie den Lesern verständlich zu machen. Das ist nicht immer leicht bei der verworrenen Lage. Auch er recherchiert nicht selbst vor Ort. Aufmerksam werde ich als damalige Abonnentin der Zeitschrift Konkret auf einen Artikel des Jürgen Elsässer; er schreibt ihn bereits im November 2000, auch für die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, vom 11. November 2000. Die einzige linke Publikumszeitschrift, wie sie sich selbst bezeichnet, will heute weder von Jürgen Elsässer noch von dessen Beiträgen mehr etwas wissen, und so kommt man bei der Suche nach konkret "jürgen elsässer" "mohammed al-dura" nicht weiter als bis Tina Klopp, Konkret 9/2003. Die bewährte Art der Linken, in Ungnade gefallene Personen und ihre Fotos, Taten und Leistungen aus späteren Veröffentlichungen zu entfernen, feiert auch hier fröhliche Urständ; andere, weniger aktuelle Konkret-Artikel aus dem Jahr 2000 sind heute sehr wohl im Internet aufzurufen. Jürgen Elsässer hält es ebenso, er listet seinen Artikel über Mohammed al-Dura, vom November 2000, nicht mehr auf seiner Site, Bauchfrei in Kabul. Sex & Fanta & Rock´n Roll, aus Konkret 2/2002, jedoch kann man sich heute noch zumuten. Seinen Artikel findet man nur noch auf HaGalil. Wie sein dort empfohlener Vortrag, vom 18. Januar 2001, bei der Leipziger Zuhörerschaft aus der Kommunikationswissenschaft ankommt, liest man in meinem Artikel Flucht und Vertreibung der Palästinenser in deutschen Online-Medien, er ruft "unverständliches Kopfschütteln" hervor; eine herrliche Freudsche Fehlleistung der Berichterstatterin, ist das!
"Nach einer kurzen Eröffnung war schon klar, dass nicht das folgen würde, was viele sich von diesem Abend erhofft hatten: eine objektive Einschätzung der Lage im Nahen Osten und eine Analyse der Medienberichterstattung des Israel-Konfliktes. ... Dementsprechend war auch die Stimmung im Hörsaal. Zwar spalteten sich die Meinungen, aber spätestens als Elsässer anzweifelte, dass der Tod eines palästinensischen Jungen wirklich auf das Konto israelischer Soldaten gehe, wurde er alsbald mit unverständlichem Kopfschütteln seiner Zuhörer und mit empörten Zwischenrufen konfrontiert." (7)
Auch Jürgen Elsässer wertet Material aus, auch er recherchiert nicht vor Ort: Er weist auf die lückenlos einseitige Berichterstattung aus dem Krisengebiet und die ebenso einseitige Berichterstattung der deutschen MSM hin sowie darauf, daß zu früheren Zeiten die Unterstellung, Juden seien Kindermörder, zu Pogromen führte. Der Spiegel reduziert und frisiert ein vom israelischen Verteidigungsministerium auf seiner Site veröffentlichtes Luftbild des Schußwechsels zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten so, daß nur noch ein einziger Pfeil übrigbleibt, der vom israelischen Posten auf Mohammed und seinen Vater weisende. Der Posten wird aber, wie auf dem Originalluftbild zu sehen, von sechs Seiten angegriffen; die Fotos sind in Konkret abgebildet. Bei soviel Voreingenommenheit nimmt es nicht wunder, daß die Zwischenergebnisse der ballistischen Untersuchung, wonach die tödliche Kugel möglicherweise eine palästinensische war, in den deutschen Blättern nicht mehr vorkommen - der Schuldige steht für sie schon fest, schreibt Jürgen Elsässer. Genau das bewirken Charles Enderlin, sein Kameramann und ihr Fernsehsender France 2.
Die Metula News Agency (Ména), Philippe Karsentys Media Ratings und viele andere Links zur Affäre Mohammed al-Dura gibt es Anfang 2005 im Internet, einige bereits seit Ende 2000, wie den Artikel in Konkret 11/2000; spannend: Der Fernsehkanal France 2 als aktiver Kämpfer der Al-Aqsa Intifada. (8)
Ein weiterer aktiver Kämpfer der Al-Aqsa Intifada ist von Anbeginn der Affäre der Nouvel Observateur (NouvelObs), der Charles Enderlin am 10. Februar 2005 ein Forum einräumt, auf dem er trotz der inzwischen vorliegenden Erkenntnisse weiterhin seine Propaganda verbreitet. Die angeblich herausgeschnittene Szene der Agonie des Mohammed al-Dura gibt es nicht, stattdessen eine, in der Mohammed al-Dura nach dem Ruf: "Das Kind ist tot!" seinen Arm hebt und darunter hervorblinzelt; das wissen seit Oktober 2004, Monate vor dem Forum im NouvelObs, einige angesehene Journalisten, wie Denis Jeambar, Herausgeber der Zeitschrift L´Express, Daniel Leconte, ehemaliger Mitarbeiter von France 2 und Produktionsdirektor von Dokumentarfilmen, Luc Rosenzweig, ehemals Redakteur von Le Monde, heute Ména, Doreen Carvajal, Mitarbeiterin der International Herald Tribune, die das Filmmaterial im Fernsehsender France 2 ansehen können; dennoch behauptet Charles Enderlin auf die Frage eines Internauten nach dieser Szene der Agonie: (9)
"Je pense que je dirai le même commentaire et que je ferai le même montage. Avec peut être une différence. Sachant combien on me le reproche aujourd´hui, je diffuserai les quelques secondes de l´agonie de l´enfant que j´avais coupé considérant à l´époque que celà rendait le sujet trop dur." Ich denke, ich gäbe denselben Kommentar und ich machte dieselbe Montage. Vielleicht mit einem Unterschied. Wissend, wie sehr man es mir heute vorwirft, würde ich die paar Sekunden der Agonie des Kindes senden, die ich herausgeschnitten hatte, weil ich zu der Zeit meinte, das würde den Fall zu schwer machen. (10)
Der NouvelObs gibt nicht auf, die Lügen des Charles Enderlin weiter zu stützen. Am 27. Mai 2008, eine Woche nach dem zweitinstanzlichen Urteil, das Philippe Karsenty freispricht, signiert die Zeitschrift einen Aufruf für den Kollegen Charles Enderlin, gegen die Beschmutzung seiner beruflichen Würde. Sieben Jahre seien es nunmehr, daß böswillige Verleumder, allen voran Philippe Karsenty, ihm unterstellten, es handelte sich bei den Kämpfen zwischen Palästinensern und dem israelischen Militär und dem Tod von Mohammed al-Dura um gestellte Szenen, umgangssprachlich "Pallywood" genannt. Merkwürdigerweise wird auch in diesem Appel die Ména nicht erwähnt, obgleich in den Unterlagen der ersten Instanz mehrfach darauf hingewiesen wird, Philippe Karsenty habe seine Informationen allein von dort. Im Appel wird es als zweifelsfreie Tatsache hingestellt, daß der Junge von israelischen Scharfschützen ermordet wurde; er wendet sich gegen das Gerichtsurteil, das diese Frage offen läßt. Der Appel spricht sich ausdrücklich gegen die Meinungsfreiheit aus, gegen das Urteil, das meint, Philippe Karsenty habe ein "Recht der freien Kritik". Dieses Urteil verwundere; es sei beunruhigend. Ein Journalist, der für die Seriosität und Genauigkeit seiner Arbeit und die Kenntnis der Region bekannt sei, werde genauso gewertet wie seine Gegner, die nichts von den Tatsachen in der Gegend wüßten, die une campagne de négation et de discrédit, eine Kampagne der Negation und der Diskreditierung betrieben. Die Wortwahl zeigt, was der Appel assoziieren soll: négation, das Wort führt direkt zum Begriff négationniste, Leugner des Holocaust. (11)
Den Autoren des Appels ist es anscheinend entgangen, daß sich Philippe Karsenty in seinen Artikeln über Mohammed al-Dura auf die vor Ort tätigen Experten bezieht, und den Unterzeichnern, die zum größten Teil ebenfalls keine Kenntnis vom Terrain haben, fällt es nicht auf, daß sie sich trotzdem blind bekennen. Philippe Karsenty hat immer alle seine Äußerungen belegt, ein Blick auf seine Site zeigt es. (1)
Der Appel des NouvelObs ist mit einer Kommentarfunktion versehen, und da erleben die Autoren des Appels etwas, mit dem sie anscheinend nicht gerechnet haben: eine Fülle von Ablehnung ergießt sich auf den Kommentarseiten. Nach einer Weile aber findet man mehr und mehr positive Kommentare, und die Ména testet, ob negative Kommentare wegmoderiert werden. So ist es in der Tat. Fingierte kurze Kommentare, zwei positive und zwei negative, schickt die Ména von verschiedenen fiktiven Absendern, und nur die positiven werden veröffentlicht: (12)
- Henri. Bravo. Bravo pour cette pétition, vive la presse libre, vive Charles Enderlin. 05.06 à 13h42. Bravo für diese Petition, es lebe die freie Presse, es lebe Charles Enderlin.
- Anette. Mémoire. A travers Enderlin, c´est la mémoire d´un martyr que ces gens là attaquent. 05.06 à 13h23. Durch den Angriff auf Enderlin wird von dieser Sippschaft (Anspielung auf das Chanson von Jacques Brel) die Erinnerung an einen Märtyrer angegriffen.
Nicht veröffentlicht werden diese:
- Pourquoi ne pas exposer les faits plutôt que de pétitionner : les 9 mn de rushes que France2 cache toujours, les rapports d´experts, "l´agonie", ... Warum nicht die Fakten ausbreiten, anstatt eine Petition zu verfassen? die 9 Minuten des Filmmaterials, das France 2 noch immer versteckt, die Berichte der Experten, die "Agonie" ...
- La justice a tranché, ce reportage est douteux et Enderlin très suspect. Die Justiz hat ihr Urteil gefällt, diese Reportage ist zweifelhaft und Enderlin sehr suspekt.
Am nächsten Tag gibt es auf der Seite mit dem Appel keinen Link mehr, der zu den Kommentaren führt. DocJustice moniert dies am 6. Juni, um 17:02 und um 17:33 Uhr, und bittet, den Link wieder zu setzen, aber nichts geschieht. Der NouvelObs schließt der unliebsamen Kommentare wegen bald die Kommentarfunktion. (13)
Auch Alain Finkielkraut und Richard Prasquier, der Präsident des CRIF, kritisieren den Appel. Die Interviews sind hörenswert; noch sind sie auf der Startseite von RCJ aufzurufen. (14)
Esther Schapira veröffentlicht in der Jüdischen Allgemeinen, am 12. Juni 2008, einen Kommentar zum Urteil, vom 21. Mai 2008, das Philippe Karsenty freispricht, ihm das Recht auf Kritik zubilligt. Der Artikel ist für Nichtabonnenten der Jüdischen Allgemeinen nicht online, aber man findet ihn im Internet, wenn man Esther Schapira: Made in Pallywood eingibt. Philippe Karsenty habe weltweit Hinweise, Indizien und Geld gesammelt, um seinen Kampf um die Wahrheit zu finanzieren. In erster Linie hat er sich allerdings der Recherchen der Ména bedient, die sich daraufhin entschließt, ihre Artikel nur noch ihren Abonennten zugänglich zu machen. (15)
Philippe Karsenty ist einer der Stellvertreter von Jean-Christophe Fromantin, des Bürgermeisters von Neuilly, einer der reichsten Kommunen Frankreichs. In dieser Funktion ist er zuständig für neue Technologien. Es wäre nicht angebracht, ihn als den armen Wahrheitssucher zu beschreiben, der mit spärlichen Mitteln seiner Aufgabe nachgeht. Die perfekte Medienfälschung haben israelische Wissenschaftler und nicht Philippe Karsenty herausgefunden; in einem nächsten Gerichtsverfahren oder mittels einer Untersuchungskommission müßten jetzt endlich die Beweise auf den Tisch, damit der ideologisch eingefärbten Nachrichtengebung aus dem Nahen Osten Einhalt geboten wird; so sieht es auch Esther Schapira. Charles Enderlin ist nur einer der zahlreichen Journalisten, die ungeniert und mit Überzeugung die Propaganda der palästinensischen Araber kolportieren, die einem Kameramann vertrauen, der wie Talal Abu Rahma Mitglied der Fatah ist. Er arbeitet auch für CNN; dieser Fernsehsender sendet jedoch den Bericht am 30. September 2000 nicht, weil er nicht von anderer Seite bestätigt wird. CNN kennt die Verhältnisse vor Ort, wenn auch anders, als Charles Enderlin das meint. Immer sind mehrere Kameraleute unterwegs, die Videos der Szenerie zeigen es. Keiner der anderen Kameraleute hat die angebliche Ermordung des 12-jährigen Mohammed al-Dura gesehen.
Esther Schapira berichtet von dem 16-jährigen Mohammed Besharat, der mit 15 Jahren die Szene der angeblichen Ermordung des Mohammed al-Dura sieht, und diese als Grund angibt, daß er sich in einem israelischen Bus in die Luft sprengen will. (16)
Der Busfahrer aber kann ihn davon abhalten, den Sprengsatz zu zünden und rettet so ihm und den Passagieren das Leben. Gefragt, was ihn als 16-Jährigen motiviert habe, antwortet er noch vier Jahre später: "Schauen Sie sich doch Mohammed Al Durah an. Ist das zu fassen? Ein kleiner Junge von sieben Jahren wird ermordet, und keiner tut etwas. Ich wollte etwas tun, mein Land verteidigen, mich selbst verteidigen. Eines Tages werde ich selbst das Opfer dieser Leute sein."
An dieser Aussage fällt auf: Der verhinderte Attentäter weiß nicht einmal, wie alt der Junge ist, er will sein Land verteidigen, daß es nicht gibt und wahrscheinlich auch niemals geben wird, und er sieht sich wie alle Araber als Opfer - wessen? Dieser Leute. Die Aktivitäten vieler palästinensischer Araber sind bestimmt durch Unkenntnis der Tatsachen und ihres gesellschaftlichen Kontextes. Westliche Korrespondenten wie Charles Enderlin, von ihren Unterstützern als seriös und peinlich genau arbeitend beschrieben, sind diesbezüglich angepaßt, auch Charles Enderlin weiß nichts von Mohammed al-Dura, ignoriert die Tatsachen und interpretiert den gesellschaftlichen Kontext durch die Brille des Ideologen.
Esther Schapira kommt auf ihren Film Drei Kugeln und ein totes Kind, aus dem Jahr 2002, zurück und meint über Philippe Karsenty: Auf diese Frage suchte Philippe Karsenty, ausgelöst durch unseren Film, eine Antwort. Das Ergebnis dieser Suche darf er verbreiten, ohne sich der üblen Nachrede schuldig zu machen. Nicht Philippe Karsenty hat ausgelöst durch unseren Film eine Antwort gesucht, sondern die Ména, deren Chefredakteur Stéphane Juffa und deren Korrespondent Gérard Huber; das ist einfach nachzuprüfen.
Mich stört es inzwischen sehr, daß Philippe Karsenty als derjenige dargestellt wird, dem wir die Aufklärung der Affäre schulden; Esther Schapira reiht sich jetzt ein. Von Anfang an finden die französischen Medien es nicht bemerkenswert, daß in Gestalt von Philippe Karsenty jemand vor Gericht steht, der auf seiner Site die Reportagen der Ména dokumentiert, diese Agentur aber nicht behelligt wird; sie hinterfragen nicht, warum das so ist. Der Sitz der Ména ist zwar in Metula/Israel, aber ihre Mitarbeiter sind jederzeit in Frankreich zu erreichen.
Wer sich über den Stand der Affäre informieren will, der lese die Ména. Einige Artikel gibt es dort auch in englisch. Die Ména berichtet als erste, unmittelbar nach der Urteilsverkündung, über den Freispruch von Philippe Karsenty; Stéphane Juffa ist im Gerichtssaal anwesend. Die Zugriffe auf die Berichte der Ména über die Affäre Mohammed al-Dura gehen in die Hunderttausende, davon kann ich als Betreiberin meiner Site nur träumen. Am 19. Juni 2008 sind meine Freundin Lisette und ich in Montpellier zu einem Vortrag von Stéphane Juffa, zum 60. Jubiläum Israels. (17)
Stéphane Juffa berichtet als Einleitung zu seinem Vortrag, dem letzten in einer Reihe von acht, Israel, 60 Jahre eines Staates, der nicht ist wie andere zunächst über Grundsätzliches und letzte Ereignisse der Affäre, über den Appel beispielsweise und über einige seiner Unterzeichner. Der Informationsstand des Publikums, etwa 50 Personen, ist unterschiedlich. Kaum einem ist klar, daß diese Affäre derjenigen des Alfred Dreyfus ähnelt, der 1894 des Landesverrats geziehen wird. Bis zum Jahre 1906 braucht es, bevor Alfred Dreyfus nach zwölfjähriger Gefangenschaft und Verbannung rehabilitiert wird. Es ist die Dreyfus-Affäre, die den Zionismus begründet. Die Affäre des Mohammed al-Dura dauert nun schon bald acht Jahre, aber sie begründet nichts; denn die französischen Medien machen sich Sorgen um denjenigen, der die Affäre verursacht, um den Korrespondenten von France 2 Charles Enderlin. Ein Émile Zola ist nicht in Sicht, es sei denn, man wollte Philippe Karsenty dazu erheben. (18)
In der Fortsetzung berichte ich über Unterzeichner des Appells, über einige, die im Laufe der letzten Jahre in meinen Artikeln erwähnt werden: Florence Aubenas, Yves Aubin de La Messuzière, Esther Benbassa, Pascal Boniface, Avraham Burg, Jean-Yves Camus, Sylvain Cypel, Jean Daniel, Sara Daniel, Alfred Grosser, Jacques Julliard, Bernard Langlois, Daniel Mermet, Noël Mamère, Robert Ménard, Claude Perdriel, Pierre Prier, Sibylle Rizk, Patrick Saint-Paul, Hubert Védrine, Laurent Zecchini - über das Wachsfigurenkabinett der französischen Macht. (19)
Quellen
(1) Victoire totale de Media-Ratings dans l´Affaire Al Doura : Philippe Karsenty relaxé avec un arrêt très favorable, Media Ratings, 21 mai 2008
http://www.m-r.fr/accueil.php
(2) Das rote Quadrat: Drei Kugeln und ein totes Kind. HR | Länge: 45 Minuten. Film von Esther Schapira, Montag, 18.03.2002, 21.45 Uhr, ARD. Wer erschoß Mohammed al-Dura? HaGalil, 17. März 2002
http://www.nahost-politik.de/palaestina/al-dura.htm
Medien machen Märtyrer. 3sat Kulturzeit, 15. März 2002
Video: Gespräch von Tina Mendelsohn mit Esther Schapira, 15. März 2002
http://tinyurl.com/3ellju
(3) Mohamed Al Dura et FR2 : les questions en souffrance ! Questioning the Mohamed Al Dura report on the French national TV ! Par Gérard Huber,
Ména, 18 juin 2002
http://www.menapress.com/article.php?sid=220
http://www.guysen.com/mena.php?sid=220
Gérard Huber
http://www.gerardhuber.fr/
(4) Gérard Huber : Contre-expertise d´une mise en scène. Éditions Raphaël,
Paris, mars 2003, p. 81
http://tinyurl.com/5p57t5
Chirac hopes to investigate killing of Palestinian child Rami al-Derra, Palestine Politics, Arabicnes.com, October 6, 2000
http://www.arabicnews.com/ansub/Daily/Day/001006/2000100617. html
(5) France 2 : Arlette Chabot et Charles Enderlin doivent être démis de leurs fonctions immédiatement, Media Ratings, 22 novembre 2004
http://france2-aldoura.blogpremium.com/recent/2004/novembre/
Mise au-point nécessaire suite aux contrevérités diffusées, de façon répétitive,
par la MENA. Par Philippe Karsenty, Media Ratings, 26 janiver 2007
http://france2-aldoura.blogpremium.com/
(6) L´affaire Mohamad A-Dura, une immense imposture ? Stéphane Juffa, Ména, 17 septembre 2002
http://www.menapress.com/article.php?sid=347
A-Dura : Tsahal demande – une fois de plus – copie des rushes à France 2.
Par Stéphane Juffa, Ména, 17 septembre 2007
http://www.menapress.com/article.php?sid=1851
(7) Der Mörder ist immer der Jude. Von Jürgen Elsässer, HaGalil, 5. Januar 2001
http://www.hagalil.com/archiv/2001/01/israel-medien.htm
(8) Der Fernsehkanal France 2 als aktiver Kämpfer der Al-Aqsa Intifada.
10. Februar 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-02-10_01-52-36.html
(9) MÉDIAS Qui a tué le jeune Palestinien de Netzarim, le 30 septembre 2000 ? Par Denis Jeambar et Daniel Leconte. Le Figaro, 25 janvier 2005
http://www.debriefing.org/0176.html
The mysteries of an iconic video frame. By Doreen Carvajal, International Herald Tribune Online, 7 February 2005
http://www.iht.com/articles/2005/02/06/business/video07.php
(10) Forum du 10/02/2005 avec Charles Enderlin. NouvelObs.com
http://forums.nouvelobs.com/archives/forum_235.html
(11) Appel. Pour Charles Enderlin, NouvelObs.com, 27 mai 2008
http://tinyurl.com/3w7ozo
(12) Vive la démocratie ! Vive la liberté ! Vive l´Obs et vive les enderlinards ! Par Ilan Tsadik, Ména, 6 juin 2008
http://www.menapress.com/article.php?sid=2081
(13) Pour Charles Enderlin. Les réactions, NouvelObs.com, 5 juin 2008
http://tinyurl.com/6p8gwl
(14) 05/06/2008 - 12H45 à 13H00 - Invité Alain Finkielkraut. Jeudi 5 juin, dans le journal de la mi-journée, Shlomo Malka reçoit Alain Finkielkraut. Le philosophe réagit à l´appel à soutien pour Charles Enderlin publié dans le Nouvel Observateur
11/06/2008 - 12H35 à 12H45 - Invité Richard Prasquier. Mercredi 11 juin, dans le journal de la mi-journée, Shlomo Malka reçoit Richard Prasquier. Le Président
du CRIF réclame une commission d´enquête indépendante sur l´Affaire Mohammed Al-Dura, à la suite d´un appel à soutien à Charles Enderlin publié par le Nouvel Observateur.
http://www.radiorcj.info/
(15) Made in Pallywood. Von Esther Schapira, Jüdische Allgemeine, 12. Juni 2008
http://www.juedische-allgemeine.de/
(16) Der verhinderte Märtyrer. Von Esther Schapira, Cicero, o.J.
http://www.cicero.de/97.php?item=1157&ress_id=0
(17) Scoop: La Cour d´Appel de Paris relaxe Karsenty, Ména, 21 mai 2008
http://www.menapress.com/article.php?sid=2062
(18) Le jeudi 19 juin (2008) à 20 heures, à Montpellier: Stéphane Juffa, rédacteur en chef de la Metula News Agency et analyste stratégique développera le thème d´actualité suivant : Israël, 60 ans d´un pays pas comme les autres. Une conférence co-organisée par Jean-Michel Ennouchi, Radio Aviva, le CCCJ, le CRIF, l´ACIM et la Ména
http://www.menapress.com/article.php?sid=2072
(19) Der Appell für Charles Enderlin. 23. Juni 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-06-23_00-13-05.html
Weitere Artikel über Mohammed al-Dura
Mohammed al-Dura: Freispruch für Philippe Karsenty. 21. Mai 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-05-21_20-52-43.html
Mohammed al-Dura. Jetzt wird´s eng für Charles Enderlin. 2. Oktober 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-10-02_21-45-48.html
Mohammed al-Dura. Lügen haben kurze Beine. Dokumentation.
20. September 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-09-20_14-00-00.html
Justiz und Medien Frankreichs im Dienst der Politik des Jacques Chirac,
2. November 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-11-02_02-21-36.html
"Paradise Now", Amnesty International und die Intifada II. 28. Februar 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-02-28_20-11-07.html
Der Fernsehkanal France 2 als aktiver Kämpfer der Al-Aqsa Intifada.
10. Februar 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-02-10_01-52-36.html
Flucht und Vertreibung der Palästinenser in deutschen Online-Medien.
22. Oktober 2003/10. Februar 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-02-10_03-57-59.html
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