
Imad Mughniyeh (pbuh) ist der Dauerbrenner im "Figaro"
Nicht nur gestern, als der Figaro ereignisnah über die Liquidierung des Top-Terroristen Imad Mughniyeh berichtet, sondern auch heute wieder läuft die Zeitung zur vollen Form auf. (1)
In der Papierausgabe titelt sie einen schmalen Beitrag des Patrick Saint-Paul, aus Jerusalem: L´État hébreu attend la vengeance de l´organisation chiite, Der Hebräerstaat erwartet die Vergeltung der schiitischen Organisation. Bei der Überschrift hätte man den Artikel unter der Rubrik Religion vermutet. Das scheint ein Konflikt zwischen dem Staat gewordenen Judentum und schiitischen Muslimen zu sein. Selbstverständlich ist I.M. ermordet worden, also nicht liquidé, liquidiert, wie bei Georges Malbrunot, und nicht tué, getötet, auch abattu, getötet, erlegt, kommt für den Jerusalem-Korrespondenten des Figaro nicht in Frage. Er berichtet über die Sicherheitsvorkehrungen, die Israels Regierung gegen eventuelle Angriffe der Hezbollah trifft und kommt dann zur Sache: Israel, das Imad Mughniyeh seit 20 Jahren verfolgt, fährt fort, jede Verwicklung in die Eliminierung seines öffentlichen Feindes Nr. 1 zu bestreiten. Das hindert die Experten nicht, darin die Hand des Mossad zu erkennen. Man kann davon ausgehen, daß Patrick Saint-Paul sich zu diesen Experten rechnet.
Die Internet-Ausgabe des gleichen Artikels hat eine andere Überschrift: Israël attend la vengeance de l´organisation chiite, nun handelt es sich um eine Art Kampf eines Staates gegen eine religiöse muslimische Organisation, deren Namen der Korrespondent nicht nennt, es hieße sonst: Israel erwartet die Vergeltung der Hezbollah, was doch gar zu deutlich wäre, eine Terrororganisation bedroht ein Land auf Grund eines Verdachts. (2)
Zu Hoffnungen berechtigend, beginnt der Artikel von Sibylle Rizk, Beirut, der Chefredakteurin der seit 1930 erscheinenden francophonen libanesischen Wirtschaftszeitschrift Le Commerce du Levant. Dieses Blatt vertritt die Interessen Frankreichs und der mit Frankreich eng liierten Libanesen. Von 1920 bis 1943 ist der Libanon Mandatsgebiet Frankreichs. (3)
Sibylle Rizk schreibt, der militärische Chef der Hezbollah sei Dienstag getötet worden, tué. Rafik Hariri ist am 14. Februar 2005 ermordet worden, man erinnere sich de l´assassinat, der Ermordung, am dritten Jahrestag. Damit hat es sich auch schon; denn sobald über die Reden und Taten der Terroristen berichtet wird, über die Anwesenheit des iranischen Außenministers Manouchehr Mottaki bei den Trauerfeierlichkeiten für den Helden des Widerstandes, wird auch die Sprache parteilich, dann ist Schluß mit der neutralen Wortwahl. Der Außenminister verliest eine Nachricht des Präsidenten Mahmud Ahmadinejad, dénonçant les "opérations criminelles d´Israël", die kriminellen Operationen Israels anprangernd. Was hätte Sibylle Rizk gehindert zu schreiben: Mahmud Ahmadinejad bezichtigt Israel krimineller Operationen, wenn nicht ihr Einverständnis mit der Einschätzung des Präsidenten?
Für Hassan Nasrallah sei die Ermordung des I.M. ein schwerer Schlag, und man spürt förmlich das Mitgefühl der Sibylle Rizk. Wer noch erstaunt ist, wie es im Sportpalast zur Begeisterung über den Totalen Krieg kommen kann, der lese die Beiträge der französischen Journalisten über muslimische Terroristen: mitreißend! Ausführlich wird die Hetze des Hassan Nasrallah wörtlich zitiert, das Blut des I.M. werde Israel verschwinden lassen, son sang (le) fera disparaître. Ihr habt den offenen Krieg gewollt, außerhalb des libanesischen Territoriums. Ihr habt die Grenzen überschritten. Sei es! Soit ! Da folgt kein noch so kleiner Hinweis der Sibylle Rizk, daß die beiden israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev im Auftrag des I.M. außerhalb der libanesischen Grenzen entführt worden sind, nämlich vom israelischen Territorium. Ihre Faszination von der auf einem riesigen Bildschirm übertragenen Rede des Terroristenführers läßt sich durch keine Tatsache schmälern. Der apostrophiere die Tribune der antisyrischen Mehrheit in einem drohenden Ton: Möge derjenige, der von einer Trennung (von Syrien) spricht, das gemeinsame Haus verlassen, um sich seinen Verbündeten in Washington und Tel Aviv anzuschließen. (4)
Wahrscheinlich finden diese drohenden Töne des Terroristenführers deshalb die offenen Ohren der Sibylle Rizk, weil Wirtschaft, Handel und Finanzen des Libanon weiterhin im Dienste der Interessen Frankreichs, gegen die USA und Israel bleiben sollen. Dallas-sur-Mer nennt Georges Corm, von 1998 bis 2000 Finanzminister des Libanon, die Zustände in seinem Land. 15 Jahre libanesischer Politik hätten aus dem Libanon eine Finanz-Plattform gemacht, aber das Land ruiniert, der Reichtum der Banken wirke sich, anders als in der Schweiz, nicht auf das Land aus. Die Vermögenden hätten niemals dafür angemessen Steuern bezahlt. Selbst nicht für die Aufstellung einer starken Armee, sagt er nach dem Libanonkrieg, im August 2006, in einem Interview. Verantwortlich dafür macht er Rafik Hariri und Jacques Chirac sowie die hinter ihnen agierenden Wirtschafts- und Finanzkreise. Über die Position der Hezbollah im Lande meint er: Die Hezbollah ist nicht der Staat im Staate, wie man sie beschreibt. Sie besetzt den Platz, den der libanesische Staat sie besetzen läßt. Sie hat immer mit dem Staat zusammengearbeitet, mit seinen Sicherheitsdiensten, seinen sozialen und juristischen Institutionen. Heute setzt sie die Praxis eines schnellen Wiederaufbaus in Gang (Materiallieferungen und finanzielle Hilfe), damit die Betroffenen ihre Wohnungen selbst wieder instand setzen. (5)
Die Finanzierung dieses Projektes übernimmt der Iran, dessen eigene Bevölkerung in Khuzistan, im Südwesten des Landes, vergleichbare Segnungen seit dem irakisch-iranischen Krieg der 80er Jahre nicht gesehen hat. Das ganze Gebiet südlich des Litaniflusses soll nach dem Willen Teherans und der Hezbollah eine Pufferzone werden für einen zukünftigen Krieg gegen Israel. Zerstörte Dörfer werden dort nicht wieder aufgebaut. Südlich des Litaniflusses dürfen nach Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates keine Waffen getragen werden. Einzelheiten über das gegen Israel gerichtete Projekt erfährt man von Amir Taheri: Iran´s Land Grab, der Griff des Iran nach dem Land. Teheran kauft über Strohmänner und Firmen der Hezbollah libanesische Dörfer auf, und die Zone nördlich des Litaniflusses wird zum Aufmarschgebiet für Waffen ausgebaut. Einzelheiten, von denen der Figaro nichts zu berichten weiß, liest man bei Amir Taheri. Nun wird die Anwesenheit des iranischen Außenministers zu der Trauerfeier für I.M. desto verständlicher. Das Milliardenprojekt des Iran zur politischen und wirtschaftlichen Kolonisierung des Libanon und zur militärischen Vorbereitung seines Südens für den nächsten Krieg gegen Israel drohen zu scheitern. (6)
Es ist unwahrscheinlich, daß Sibylle Rizk von der Wirtschaftszeitschrift Le Commerce du Levant von dem Projekt nichts mitbekommen hat. Desto infamer ist die Zeilenschinderei mit den Drohreden des Hassan Nasrallah und der Aufzählung bekannter Tatsachen wie der, daß es seit dem 27. November 2007 im Libanon keinen Präsidenten gibt. (7)
Der Artikel ist nicht online, aber der Figaro hat viele weitere Beiträge im Internet über die Kriegserklärung Hassan Nasrallahs an Israel, der Krieg vom Sommer 2006 sei noch nicht beendet, und während im Artikel des Thierry Oberlé das Öl eindeutig durch die Ermordung des I.M. ins Feuer geschüttet wird, meint V.F.: Les déclarations chocs du leader chiite Hassan Nasrallah ont jeté de l´huile sur le feu, die schockierenden Deklarationen des schiitischen Führers Hassan Nasrallah haben Öl ins Feuer geschüttet, und zum Beweise unterlegt er diesen Satz mit dem Link zu Thierry Oberlés Artikel, worin genau das Gegenteil steht. (8)
Den Artikel des New York-Korrespondenten Jean-Louis Turlin über ein Tribunal der UNO, bestehend aus sieben internationalen und vier libanesischen Richtern, zur Urteilsfindung über den Mord an Rafik Hariri ist nicht online. Das wäre zu viel des Guten als Demonstration der Aktivitäten des Westens gegen den islamischen Terror im und ausgehend vom Nahen Osten: L´ONU est déterminé à rendre "irreversible" la mise sur pied du tribunal Hariri. Die UNO ist entschlossen, die Einsetzung des Tribunals Hariri "unumkehrbar" zu machen. Die Namen der bereits ausgewählten Richter werden aus Sicherheitsgründen erst zu Beginn der Arbeit des Tribunals veröffentlicht. Die Finanzierung sei noch nicht gewährleistet. (9)
Vielleicht sollte man den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad um eine Spende bitten, aber einen solchen Vorschlag kann der Figaro nicht machen, nicht einmal als Ironie. Stattdessen berichtet Alain Barluet über die unter Mißachtung der Forderungen der UNO fortschreitende Perfektionierung des Systems der Urananreicherung durch den Iran. Weitere Tests würden durchgeführt, diesmal keine Simulationen, sondern echte, sie eröffneten die Möglichkeit zum Bau einer Atombombe. Gestern sei Mohammed ElBaradei in Paris gewesen, wo Nicolas Sarkozy ihm seiner mangelnden Bestimmtheit dem Iran gegenüber Vorhaltungen gemacht habe, er möge seine Mission mit Festigkeit fortführen und das Dossier der "offenen Fragen" nicht schließen, bevor nicht die nuklearen Aktivitäten aufgeklärt seien. (10)
Es ist dem Figaro einen Zweispalter wert, ca. 900 Buchstaben, wenn der Präsident Frankreichs (!) den Generaldirektor der International Atomic Energy Agency (IAEA) empfängt und ihm die Forderungen der westlichen Staaten vorträgt. Es versteht sich, daß diese Nachricht es nicht ins Internet bringt vor all dem Mitgefühl für die Hezbollah anläßlich der Ermordung ihres für Auslandsoperationen zuständigen militärischen Chefs. Um den Iran und sein Atomprogramm sollen sich doch die USA und Israel kümmern, sie mögen sich den Zorn der unwissenden Öffentlichkeit zuziehen, repräsentativ artikuliert durch Claus Peymann und sein bekopftuchtes Berliner Ensemble, die den Iran besuchen, bevor die USA ihn mit Krieg überziehen. Israel mag sich um seine Sicherheit selbst kümmern, schließlich erklärt Mahmud Ahmadinejad wiederholt, daß es nur um dieses kleine Ländchen geht, das aufhören soll zu existieren. Die Geschäfte mit dem Iran, mit dem Libanon und mit Syrien, die werden derweil von den Europäern fortgeführt comme si de rien n´était, als wenn nichts wäre, allen voran von Frankreich und von Deutschland.
15. Februar 2008
Quellen
(1) Imad Mughniyeh (pbuh) auf einer ganzen Seite des "Figaro". 14. Februar 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-02-14_17-56-54.html
(2) Israël attend la vengeance de l´organisation chiite. Par Patrick Saint-Paul,
Le Figaro, 15 février 2008, p. 6
http://tinyurl.com/3xev29
(3) Le mandat français au Liban : entre réalité et imaginaire. Libanvision
http://www.libanvision.com/mandat.htm
(4) Le Commerce du Levant
http://www.lecommercedulevant.com/
(5) Rafiq Hariri, Jacques Chirac, der Libanonkrieg und die Satirezeitung "Charlie Hebdo". 26. August 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-08-26_18-54-43.html
(6) Iran´s Land Grab. By Amir Taheri, The New York Post, September 2, 2007
http://tinyurl.com/2y4rjx
Die Fähigkeiten der Hezbollah waren niemals so groß wie jetzt. 1. Dezember 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-01_20-43-48.html
(7) Liban : le Hezbollah en guerre ouverte contre Israël. Par Sibylle Rizk,
Le Figaro, a.a.O.
(8) Nasrallah déclare la "guerre ouverte" à Israël. Par V.F. (lefigaro.fr) avec AFP,
Le Figaro, a.a.O.
http://tinyurl.com/333djz
(9) L´ONU est déterminé à rendre "irreversible" la mise sur pied du tribunal Hariri. Par Jean-Louis Turlin, Le Figaro, a.a.O.
(10) L´Iran perfectionne son système d´enrichissement de l´uranium. Par Alain Barluet, Le Figaro, a.a.O.
Zum Ableben des Imad Mughniyeh siehe auch:
Jede Menge Trauer um Imad Mughniyah auf dem Blog Wind in the Wires
http://wind-in-the-wires.blogspot.com/
Hizbollah mastermind´s true legacy. By Caroline Glick, JewishWorldReview.com, February 15, 2008
http://www.jewishworldreview.com/0208/glick021508.php3
Strike! Von Lizas Welt, 14. Februar 2008
http://www.lizaswelt.net/2008/02/strike.html
Got ´im just in time. By Robert Spencer, JihadWatch, February 14, 2008
http://www.jihadwatch.org/archives/019956.php
Imad Mughniyeh eines natürlichen Todes gestorben. Von Rowlf, Spirit of Entebbe, 13. Februar 2008
http://tinyurl.com/2ocn4q
Imad Mughniyeh: Rest in Pieces (!). Medien BackSpin. 13. Februar 2008
http://backsp.wordpress.com/2008/02/13/imad-mughniyeh-rest-i n-pieces/
Imad Mougniyeh - Death of a Terrorist. By Ami Isseroff, ZioNation,
February 13, 2008
http://www.zionism-israel.com/log/archives/00000492.html
Gratulation zu einer Glanzleistung. Von Florian Markl, Instant Coffee,
13. Februar 2008
http://cafecritique.priv.at/blog/2008/02/13/gratulation-zu-e iner-glanzleistung/
Ding Dong, the Witch Is Dead! Von Leonard Zelig, Wind in the Wires,
13. Februar 2008
http://wind-in-the-wires.blogspot.com/2008/02/ding-dong-witc h-is-dead.html
http://aycu20.webshots.com/image/32459/2001290206774347498_f s.jpg
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