
Der Fernsehkanal France 2 als aktiver Kämpfer der Al-Aqsa Intifada
Erstes Motto: Nachrichten, ob wahr oder erfunden, schnellstens an ausgewählte Multiplikatoren streuen. Es zählt nur das, was einmal behauptet wurde. Dementis dagegen sind völlig unwirksam.
Das wirkt immer gleich. James Harff von der PR-Firma Ruder Finn ("# 1 in Client satisfaction") plaudert es gegenüber dem französischen Journalisten Jacques Merlino aus. Ruder Finn wird von den Regierungen Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas mit der Schaffung eines positiven Bildes und der Diffamierung Serbiens beauftragt. Dazu dienen Nachrichten, ob wahr oder erfunden. Sie werden an Multiplikatoren verteilt, an einige Hundert Journalisten, Politiker und Repräsentanten von humanitären Organisationen und Universitäten. Schnelligkeit sei die Hauptsache. "Uns ist klar, daß nur das zählt, was einmal behauptet wurde. Dementis sind dagegen völlig unwirksam."
Ein ausführlicher Auszug aus diesem Interview des Jacques Merlino mit James Harff findet sich am 11. März 2005 auf der Site Transatlantic Intelligencer, von John Rosenthal. (1)
So wird auch im Falle des angeblichen Massakers von Tantura verfahren. In den offiziellen Medien der PLO und der PNA wird die Nachricht über das von Teddy Katz entdeckte "Massaker in Tantura" umgehend verbreitet, eine Menge angeblicher arabischer und jüdischer Zeitzeugen werden mit ihren Äußerungen zitiert, und die internationalen Medien der Palästinenserfreunde verbreiten sie sofort weiter. Es ist nicht von Bedeutung, daß die Fakten anders liegen. Das Dementi bleibt unwirksam. (2)
Die Kampagne des Senders France 2 gegen Israel wirkt nach dem gleichen Schema: die angebliche Ermordung des 12-jährigen Mohammed al-Dura durch gezielte Schüsse eines israelischen Postens, an der Netzarim Kreuzung in Gaza, am 30. September 2000, zwei Tage nach Eröffnung der Intifada II durch Yasser Arafat, der seinem Volke die Vorschläge des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak, von Camp David II, 11. bis 25. Juli 2000, nicht verkaufen will und somit erneut eine Möglichkeit zum Frieden verstreichen läßt. (3)
Zweites Motto: Das palästinensische Volk findet darin (im Tod des Mohammed al-Dura) einen tiefen Sinn seines Leidens, das es erträgt. Dieser Tod ist nicht nur ein Symbol, er wird wie eine Offenbarung erlebt, wie ein göttliches Ereignis, eine Prüfung, die vor aller Öffentlichkeit den tiefen Sinn der Tatsache erscheinen läßt, daß dem palästinensischen Volk die historische und theologische Aufgabe zugefallen sei, dem israelischen Volk gegenüberzutreten. Bis dahin gab es für die Palästinenser ein unterdrückendes (die Israelis) und ein unterdrücktes Volk (die Palästinenser). Der Konflikt fand statt im Rahmen der nationalen Befreiung. Aber mit diesem Ereignis handelt es sich um ganz etwas anderes: um einen Kampf zur theologischen Befreiung. (Gérard Huber: Contre-expertise d´une mise en scène, p. 85)
Anders als bei der Intifada I sind die Palästinenser diesmal nicht so schnell für den erneuten Kampf zu entflammen, und so müssen Ereignisse her, das zu ändern. Eines ist der Besuch des Ariel Scharon, zu der Zeit Chef der Likud-Partei und Konkurrent des Ehud Barak um den Posten des Ministerpräsidenten, auf dem Tempelberg, am 28. September 2000. Der Besuch ist vorher mit der Palästinensischen Autonomiebehörde abgesprochen, er dient aber nun als Vorwand, um die palästinensische Jugend zum Kampfe anzuspornen: Israel wolle ihnen den Tempelberg nehmen, und ähnliche Greuel werden verbreitet.
Ein zweites Ereignis wird vom palästinensischen Kameramann Talal Abu Rahma geschaffen, der zwei Tage nach dem Besuch des Ariel Scharon auf dem Tempelberg Bildmaterial von dem angeblich gezielten Mord an Mohammed al-Dura vorlegt. Obgleich während der Schießerei an der Netzarim-Kreuzung Journalisten und Kameraleute von Reuters, AP u.a. zahlreich vorhanden sind, und es entsprechendes Bildmaterial reichlich gibt, findet sich darunter nichts über die Erschießung Mohammed al-Duras.
Talal Abu Rahma überzeugt seinen Auftraggeber vom Fernsehkanal France 2, den Auslandskorrespondenten Charles Enderlin, die Bilder umgehend weltweit zu verteilen. Es sind 55 Sekunden von angeblich insgesamt 27 Minuten einer 45 Minuten währenden Schießerei zwischen Palästinensern und Tsahal . Das tut France 2, und zwar kostenlos, weil man an solch einem traurigen Ereignis nicht verdienen wolle. Wahrscheinlich ist eher, daß diese 55 Sekunden Bildmaterial ohne große Zeitverschwendung die Öffentlichkeit in Frankreich und darüber hinaus in aller Welt auf die Sache der Palästinenser und gegen Israel einstimmen sollen. Es fällt sofort auf, daß die Szene nicht zeigt, wie der kleine Mohammed al-Dura stirbt: "Ich habe die Agonie des Kindes rausgeschnitten. Das war unerträglich ... Das hätte auch zusätzlich nichts ergeben", sagt Charles Enderlin. Es gibt unter allem Bildmaterial, auch dem der anderen Nachrichtenagenturen, ebenfalls keine Aufzeichnung, die zeigen könnte, daß Mohammed al-Dura tot ist. Es ist unwahrscheinlich, daß sich die anderen Agenturen zurückgehalten hätten, das medienwirksame Ereignis zu verbreiten, hätten sie die Szene beobachtet.
Charles Enderlin, der sich zu der Zeit nicht in Gaza, sondern in Ramallah aufhält, glaubt seinem Kameramann unbesehen und erklärt noch am selben Tag, im "Journal de 20 heures", daß die israelischen Soldaten den Jungen mutwillig erschossen, also ermordet hätten. So trägt er dazu bei, die Wut der Palästinenser und der gesamten arabischen Welt anzuheizen. Der Tod des Jungen löst gewaltsame Proteste und auch weltweit eine riesige Empörung aus. Er steht exemplarisch für die Brutalität der israelischen Armee. Drei Tage vorher wird an eben der Netzarim-Kreuzung ein israelischer Soldat durch eine palästinensische Bombe getötet. Das tritt nun vollständig in den Hintergrund.
Briefmarken mit dem Konterfei "der bleibenden Ikone" der Intifada II Mohammed al-Dura werden in Ägypten (4) und Tunesien gedruckt, in Kairo wird eine Straße nach ihm benannt, eine wahre Hysterie bricht aus. Keiner behält vor der Aufregung den klaren Kopf. Die israelische Armeeführung räumt "nach einer eiligen internen Untersuchung" bereits am 3. Oktober 2000 ein, es könne möglich sein, daß ihre Soldaten den Jungen erschossen hätten. (5)
Kaum einer der internationalen Journalisten fragt auch, wieso der Vater Jamal al-Dura mit seinem 12-jährigen Sohn von einem Gebrauchtwagenkauf mitten in die Schießerei läuft. Die beiden seien mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht bis nach Haus gekommen - und dann rennen sie mitten in eine Schießerei zwischen Palästinensern und Tsahal?
Schon bald kommen Zweifel auf. Als Jürgen Elsässer, seinerzeit Redakteur bei KONKRET, am 18. Januar 2001, vor einem Publikum der Universität Leipzig über Ungereimtheiten berichtet, die den Tod des palästinensischen Jungen betreffen, erntet er "unverständliches Kopfschütteln seiner Zuhörer" und Schmäh. (2) Schon im November 2000 schreibt er über den Fall. Der Artikel ist heute noch sehr lesenswert. Vor allem wird klar, auf welcher Seite die deutschen Medien stehen, auf der gleichen wie die französischen: Scharon = Brandstifter (SZ), Scharon = Terrorist (Die Zeit). Die FAZ entdeckt "den gesprächsbereiten Arafat", "der ´unter Palästinensern zum Außenseiter wird´, weil er die Gewalt ´nicht gewollt´ habe." Ludwig Watzal bezeichnet im "Freitag" die Ergebnisse von Camp David als "palästinensisches Versailles", und Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit", sieht Israel als "heilloses Land". Jürgen Elsässer weist auf die lückenlos einseitige Berichterstattung aus dem Krisengebiet hin.
So nimmt es nicht wunder, daß der von Charles Enderlin berichtete Tod des Mohammed al-Dura von der SZ als "brutale Ermordung" dargestellt wird, vorsätzliche Tötung also. Jürgen Elsässer weist darauf hin, daß zu früheren Zeiten die Unterstellung, Juden seien Kindermörder, zu Pogromen führte. Der "Spiegel" gar reduziert und frisiert ein vom israelischen Verteidigungsministerium auf seiner Site veröffentlichtes Luftbild des Schußwechsels zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten so, daß nur noch ein einziger Pfeil übrigbleibt, der vom israelischen Posten auf Mohammed und seinen Vater weisende. Der Posten wird aber, wie auf dem Originalluftbild zu sehen, von sechs Seiten angegriffen. "Bei soviel Voreingenommenheit nimmt es nicht wunder, daß die Zwischenergebnisse der ballistischen Untersuchung, wonach die tödliche Kugel möglicherweise eine palästinensische war, in den deutschen Blättern nicht mehr vorkommen - der Schuldige steht für sie schon fest", schreibt Jürgen Elsässer. Genau das bewirken Charles Enderlin, sein Kameramann und ihr Sender France 2.
So fordern denn auch TAZ und FAZ unisono einen UN-Einsatz: "Deutsche Landser zeigen den Juden, wie man Menschenrechte richtig schützt", meint Jürgen Elsässer - und französische, möchte man nach heutiger Kenntnis ergänzen. Der Komiker Dieudonné und seine Partei "Euro-Palestine" fordern das auch. (6)
Es sind Israelis wie Nahum Schahaf, ein Physiker und Ingenieur, denen die Sache keine Ruhe läßt. James Fallows berichtet im "Atlantic Monthly", vom Juni 2003, ausführlich über den Fall. Demnach kommen die Schüsse eventuell sogar von Palästinensern, direkt hinter dem Kameramann, was dessen Lüge beweisen würde. James Fallows schreibt auch, daß diese ballistischen Ergebnisse selbstverständlich von der arabischen Welt nicht ernst genommen würden - und von Teilen der israelischen Medien wie der Haaretz ebenfalls nicht. Die israelische Regierung resigniert bald: "kein einziger neuer ´Beweis´ könne die Bilder vom Tod des Jungen vergessen machen." So ist es. Dementis sind schon unter friedlicheren Bedingungen zwecklos, geschweige denn, in solch einer aufgeheizten Situation.
"Wirklich interessiert an dem Fall waren im Grunde nur einige israelische und europäische Juden, die der Ansicht sind, dass dieser Zwischenfall inszeniert wurde, um Israel vor der Weltöffentlichkeit anzuschwärzen", schreibt James Fallows. Nahum Schahaf ist ihr Wortführer. Inzwischen glaubt er, daß es sich bei dem ganzen Geschehen an dem Tag um Theater handelt. "Der Junge ist tot", wird schon gerufen, als dieser noch gar nicht getroffen ist: ein Kind stirbt den Märtyrertod. Es gibt keine einzige Aufnahme von dem Kind, nachdem es getroffen ist. Es gibt keine Blutspuren. Das T-Shirt des Vaters Jamal al-Dura bleibt weiß und rein.
Bereits am 18. März 2002 wird in der ARD der Dokumentarfilm von Esther Schapira ausgestrahlt: "Wer erschoß Mohammed al-Dura?" (7) Esther Schapira wundert sich, daß France 2 nicht zur Herausgabe von Filmmaterial über den Tod von Mohammed al-Dura bereit ist. Heute verwundert es nicht mehr; denn es gibt solches Material nicht.
Der Editorialist von Primo Europe Albert Capino schreibt daraufhin einen Offenen Brief an den Conseil supérieur de l´audiovisuel (CSA), den Rundfunk- und Fernsehrat, mit Kopien an France 2 und weitere Medien, worin es darum geht, daß France 2 sich weigert, eine ergänzende Reportage zu der Behauptung von Charles Enderlin, am 30. September 2000, über den Tod von Mohammed al-Dura zuzulassen. Er weist darauf hin, daß auf Grund der Darstellung des Charles Enderlin der tote Junge eine Symbolfigur geworden ist. Es sehe so aus, als daß die Schüsse von Palästinensern gekommen seien. France 2 wolle die neuen Erkenntnisse verschweigen. In der Sendung vom 30. September 2000 sei Mohammed al-Dura zum Märtyrer der israelischen Armee gemacht worden, von Mördern in den Augen der Welt, die dem Fernsehkanal France 2 nur zu gern glaube: "Unvollständige Reportage, getürkte Bilder, Ergänzung der Untersuchung unterdrückt, Dementi verweigert: das ist ein wirklich dürftiges Bild, das Sie vom französischen Journalismus und Fernsehen geben." (8)
Arlette Chabot, Informationsdirektorin von France 2, weist im Auftrag des Senders alles zurück. Es versteht sich, daß seitens des CSA nichts geschieht.
Amnon Lord, Mitarbeiter der Zeitschrift "Makor Rishon", geht noch weiter als Albert Capino, er kommt gar zu dem Schluß: "Vielmehr haben die Palästinenser, in Zusammenarbeit mit ausländischen Journalisten und den Vereinten Nationen, seinen Tod geschickt arrangiert und inszeniert". James Fallows zweifelt daran. Er kann es sich selbst bei seinem schlimmsten Feind nicht vorstellen, daß er aus Gründen der politischen Propaganda zu solchem fähig wäre. Nun, die Geschichte ist voll davon, da wird schon für weniger gemordet. Er meint, die Wahrheit herauszufinden, könne noch möglich sein. Im Falle von Alfred Dreyfus habe es auch zwölf Jahre gedauert. (5)
Gérard Huber veröffentlicht über den Tod des Mohammed al-Dura im März 2003 im Verlag Raphaël eine Dokumentation: "Contre-expertise d´une mise en scène". Wichtig ist für ihn der Kontext, in dem der Vorfall stattfindet: der Mißerfolg von Camp David II, vom 25. Juli 2000.
- \fi284Yasser Arafat begibt sich in die Privatresidenz von Ehud Barak, woraus eine Fortsetzung der Beziehungen zu entnehmen ist,
- am 28. September 2000 begibt sich Ariel Scharon auf den Tempelberg, wozu er die Genehmigung des Waqf hat,
- am 29. September 2000 beginnt die Intifada II, die Al-Aqsa Intifada,
- am 30. September 2000 stirbt Mohammed al-Dura während eines 45 Minuten währenden Schußwechsels zwischen Palästinensern und einem israelischen Posten in den Armen seines Vaters.
Primo-Europe veröffentlicht ausführlich Fakten, Argumente und ein Interview mit dem Autor. (9)
Am 22. Oktober 2004, schon nach vier Jahren und nicht erst nach zwölfen, sichten die beiden angesehenen Journalisten Denis Jeambar, Herausgeber der Zeitschrift "L´Express", und Daniel Leconte, ein ehemaliger Mitarbeiter von France 2, gemeinsam mit Luc Rosenzweig, einem ehemaligen Redakteur der "Le Monde" und heutigen Mitarbeiter der israelischen "Metula News Agency (Mena)", das gesamte Filmmaterial und stellen fest, daß es die von Charles Enderlin angeblich herausgeschnittene Szene von der Agonie des Mohammed al-Dura nicht gibt.
Denis Jeambar und Daniel Leconte warten eine geraume Zeit auf eine Stellungnahme seitens des Senders und schreiben erst am 25. Januar 2005 einen sehr vorsichtigen Artikel im "Figaro". Die "Monde" will den Artikel nicht drucken, Sylvain Cypel, der Nachfolger von Edwy Plenel, findet das alles "bizarre". Er ist allerdings ein Freund des Charles Enderlin und teilt dessen Ansichten über die israelisch-palästinensischen Beziehungen. (10) Beide Journalisten werden beispielsweise vom israelfeindlichen "Diplo" zustimmend zitiert, als sich Sylvain Cypel beklagt, daß er nach gewissen Artikeln zehn bis fünfzig Schmähbriefe und Mails bekomme, oftmals mit identischem Text, also orchestriert, und Charles Enderlin meint, einige wollten ihn rausschmeißen, was sie nicht einmal versteckten. Es ist wie immer in solchen Fällen, man kennt es auch von den Palästinensern: sie haben nie etwas verursacht, sie sind völlig grundlos immer Opfer. (11)
Hinzu kommt, daß wie überall die Journalistenkollegen sich nicht ohne weiteres gegenseitig "die Augen aushacken". Denis Jeambar und Daniel Leconte kommen aber nicht umhin mitzuteilen, daß für sie aus dem gesamten Filmmaterial hervorgeht, daß es sich um durch die Palästinenser gestellte Szenen handelt. Sie spielen Krieg mit den Israelis, simulieren Verwundungen, wenn einer angeblich am linken Bein verwundet ist, hält er sich später das rechte, sofort kommen Krankenwagen an, nur als Mohammed al-Dura stirbt (?) kommt keiner. Es tue ihnen leid, daß France 2 dazu schweige und sich gar hinter juristischen Argumenten verschanze. (12)
Charles Enderlin antwortet mit einem Rechtfertigungsartikel, in dem er keines der Argumente von Denis Jeambar und Daniel Leconte widerlegt. France 2 schickt inzwischen denselben Kameramann Talal Abu Rahma, der unter Eid am 3. Oktober 2000 aussagt, (13) die israelischen Besatzungstruppen hätten Mohammed al-Dura kaltblütig erschossen, nach Gaza, um den Vater Jamal al-Dura mit seinen Narben zu filmen, die angeblich aus demselben Schußwechsel stammen, von dem sein Sohn am 30. September 2000 getötet wird. Der Vater wird seinerzeit bei dem Schußwechsel verletzt. Eine von der "Mena" geforderte ärztliche Begutachtung lehnt France 2 ab. Der Vater schwört über dem Grabe seines Sohnes, daß dieser tot sei. "Mena" und andere im Internet führten eine Kampagne gegen ihn, sagt Charles Enderlin, er werde bedroht. Das trifft zu. Es gibt in Israel bereits eine Verurteilung deswegen. Er habe in France 2 erklärt, der Junge sei von Israelis getötet worden, weil der Kameramann, der seit 1988 für France 2 arbeite, es ihm so gesagt habe. Andere Journalisten hätten das bestätigt. Hierfür findet sich allerdings keinerlei Spur. Dann sagt er etwas, da stockt jedem Journalisten der Atem:
"Und dann (habe er, Charles Enderlin, in seiner Reportage gesagt, daß die Kugeln vom israelischen Standort kamen), weil für mich dieses Bild der Wirklichkeit der Lage nicht nur in Gaza, sondern auch in Cisjordanien entsprach."
Er zählt die Anzahl der Munition auf, die von den israelischen Truppen in den ersten Monaten der Intifada II verschossen wird, und daß palästinensische Kinder in vorderster Reihe gefunden würden. Das allerdings beklagt die israelische Armee auch, daß nämlich die Palästinenser ihre Kinder nicht schützen, sondern daß sich die Terroristen inmitten oder hinter Kindern verstecken und von dort auf israelische Soldaten schießen. In den Medien in Frankreich, Deutschland und sonstwo wird dann jedesmal beklagt, daß die Israelis wieder unschuldige Kinder umgebracht hätten.
Er, Charles Enderlin, hätte das Filmmaterial gesendet, weil alles andere "Zensur an der Quelle" gewesen wäre. (14)
Das reicht Luc Rosenzweig, und am 3. Februar schreibt er für "Mena" einen geharnischten Artikel, "Charles Enderlin, Lügner in allen Sprachen". Er beginnt: "Ein deutsches Sprichwort sagt ´Lügen haben kurze Beine´."
Gegenüber einem israelischen Fernsehsender habe Charles Enderlin im Oktober behauptet: "Ich habe niemals gesagt, es wären die Israelis gewesen, die das Kind getötet haben." Er beziehe sich aber auf die eidesstattliche Aussage seines Kameramannes. Alle Aktionen der Palästinenser hätten zum Ziel, den Israelis die Verantwortung aufzubürden, schreibt Luc Rosenzweig. CNN habe sich geweigert, die Szene zu senden, weil sie nicht gegengecheckt gewesen sei. Für die palästinensischen Mitarbeiter der westlichen Agenturen sei eine gute Beziehung zur Palästinensischen Autonomiebehörde lebens- und überlebenswichtig. Sie könnten nicht neutral sein, sondern sie hätten sich für die palästinensische Sache zu engagieren. Seit der Schließung durch die Israelis des palästinensischen Propagandabüros der Raymonda Tawill, Mutter der Suha Arafat, zu Beginn der Intifada I, befänden sich unzählige kleine Nachrichtenübermittler unterwegs, die Propaganda der Palästinenser zu verbreiten.
Der politische Augenblick habe von Arafat gefordert, daß die Aufstände wieder begönnen, die zur Intifada Al-Aqsa wurden, der Besuch des Tempelberges durch Ariel Scharon habe nicht ausgereicht. Luc Rosenzweig zählt noch mancherlei auf, es ist in seinem Artikel nachzulesen. (15)
Eine Zusammenfassung des letzten Standes dieses Skandales der einseitigen Parteinahme um jeden Preis für die Palästinenser kann bei Media-Ratings nachgelesen werden. (16) Seinem Besitzer Philippe Karsenty wird von France 2 inzwischen mit juristischer Verfolgung gedroht. Ein ausführlicher sehr präziser Artikel der Zeitschrift "Jeunes Afrique" wird dort erwähnt: " L´horreur manipulé?", Der manipulierte Horror? (17)
Ein Interview mit Denis Jeambar und Daniel Leconte im "Radio de la communité juive" macht die Ergebnisse ihrer Sichtung des Filmmaterials, im Beisein der Informationsdirektorin von France 2 Arlette Chabot, noch deutlicher: Es handelt sich demnach, und das bestätigt auch Arlette Chabot, durchweg um von Palästinensern gestellte Szenen, was weder Talal Abu Rahma noch Charles Enderlin entgangen sein kann. (18)
Inzwischen zieht der Fall immer weitere Kreise, und auch Doreen Carvajal, von der "International Herald Tribune", hat das Material gesichtet und die Auswirkungen der voreingenommenen Präsentation durch Charles Enderlin herausgestellt. Suizidattentäter bezögen sich auf Mohammed al-Dura. Ergänzen muß man, daß auch Osama bin Laden sich auf die angeblich kaltblütige Ermordung des Jungen bezieht, um die Brutalität der Israelis deutlich zu machen. Die französischen Medienkreise aber hielten zusammen, schreibt Doreen Carvajal. Allein der "Figaro" habe einen vorsichtigen Artikel veröffentlicht, die Zeitung "Le Monde" ihn zurückgewiesen, die ganze von der "winzigen Agentur Mena" aufgewirbelte Debatte sei bizarr, meine Sylvain Cypel. Der Artikel von Doreen Carvajal ist in englisch und französisch nachzulesen. (19)
Wie sich die französischen Medienkreise verhalten, sieht man am "Nouvel Observateur". Der lädt wie aus Trotz seine Leser ein, am Donnerstag, den 10. Februar 2005, von 14 bis 16 Uhr, im Forum mit dem Autor der Dokumentation "Rêve brisé, Histoire de l´échec du processus de paix au Proche-Orient (1995-2002)", Der zerbrochene Traum. Geschichte des Mißerfolges des Friedensprozesses im Nahen Osten (1995 - 2002) zu diskutieren. Der Autor Charles Enderlin erhält dafür "von gewissen extremistischen jüdischen Bewegungen einen Preis für Desinformation oder ´Goebbels-Preis´, wie gewisse Mitglieder dieser extremistischen Ligen nicht zögern, den Preis zu benennen (zur Erinnerung, Chef der Nazipropaganda ...). Warum dieser Haß? Diese Organisationen (die Ligue de Défense Juive, Liga zur jüdischen Verteidigung, beispielsweise) prangern die Unterstützung an, die Charles Enderlin in seiner Berichterstattung den Palästinensern zukommen läßt", schreibt eine Site "Intelligence-Center" und führt dann auf, wer angeblich gegen Charles Enderlin hetzt. (20)
Selbstverständlich gehört der Mitbegründer der ATTAC Daniel Mermet mit seiner Sendung "Là-bas si j´y suis" zu den Verehrern Charles Enderlins. Am 24. Oktober 2002 interviewt er ihn ausgiebig zu seiner Dokumentation "Rêve brisé". (21)
Für "Rêve brisé" erhält der Autor im Januar 2003 den "Prix de la Presse diplomatique", schreibt Menahem Macina, von der Union des Patrons et Professionnels juifs de France (UPJF) und ergänzt:
"Im Fall, daß Sie es nicht bemerkt haben sollten, daß die Vierte Gewalt in Frankreich ihre wertvollen Diener zu schätzen weiß.
Was die Komplizenschaft des französischen Staates mit den Gegnern Israels angeht, setzt die Anwesenheit des Außenministers bei der Zeremonie ein klares Zeichen.
Vereinsamung Israels.
Schande der Nation, die als erste die Juden emanzipierte und sie dann dem Nazi-Ungetüm überließ.
Die Geschichte wiederholt sich subtil, auf dem Umweg des Antisemitismus, der den Feiglingen und den schändlichen Antisemiten gestattet, ein antikolonialistisches Hymen wieder zu bekommen, indem sie sich lauthals entrüsten ... über den Israeli und den Juden ...
Es ist widerwärtig!" (22)
Das Buch kommt unter die ersten zwölf in der Vorauswahl des Preises für das politische Buch der französischen Nationalversammlung. Charles Enderlin ist wie Christian Chesnot, Georges Malbrunot und Florence Aubenas ein willfähriger Diener des französischen Staatsinteresses. Antisemitismus und Israelfeindschaft gehören dazu. (23)
Inzwischen tritt die üble Fälschung des Bildmaterials immer deutlicher zutage. Es besteht kein Zweifel, schreibt Primo Europe, am 7. Februar, daß sich Charles Enderlin aus welchen Gründen auch immer, aus bekannten oder verdeckten, eines Presse- oder Fernsehkorrespondenten unwürdig verhielt. (24)
Aber wie schon von James Harff von der PR-Firma Rudder Finn dem Jacques Merlino verraten: ein Dementi nützt nichts. Was nützen würde, das wäre, solchen Fälschern das Handwerk zu legen. Da aber seien France 2, der CSA und die französische Regierung vor. Sie brauchen für ihre verfehlte Nahostpolitik solche Journalisten in den Medien.
11. Februar 2005 - Ergänzung eines Links unter (1), am 12. März 2005
Ergänzung, vom 16. Februar 2005
Inzwischen ist das Diskussionsforum mit Charles Enderlin, im Nouvel Observateur, fast eine Woche vorbei. Obgleich die drei Journalisten Denis Jeambar, Daniel Leconte und Luc Rosenzweig im Beisein der Informationsdirektorin von France 2 Arlette Chabot das Material des palästinensischen Kameramannes Talal Abu Rahma sichten, und obgleich auch die Journalistin der "International Herald Tribune" Doreen Carvajal das Material sichtet, und alle die angeblich herausgeschnittene Sequenz über die Agonie des Jungen Mohammed al-Dura nicht finden, sondern im Gegenteil sehen, daß es sich um durchweg gestellte Szenen handelt, wiederholt Charles Enderlin auf dem Diskussionsforum seine Behauptung, er hätte die Szene entfernt, da sie unerträglich sei. Er antwortet auf die Frage eines Internauten, vom 9. Februar 2005, um 14:35 Uhr, ob er heute seinen Bericht über den Fall genauso geben würde wie seinerzeit, am 30. September 2000:
"Je pense que je dirai le même commentaire et que je ferai le même montage. Avec peut être une différence. Sachant combien on me le reproche aujourd´hui, je diffuserai les quelques secondes de l´agonie de l´enfant que j´avais coupé considérant à l´époque que celà rendait le sujet trop dur." (25)
Ich denke, ich gäbe denselben Kommentar und ich machte dieselbe Montage. Vielleicht mit einem Unterschied. Wissend, wie sehr man es mir heute vorwirft, würde ich die paar Sekunden der Agonie des Kindes senden, die ich herausgeschnitten hatte, weil ich zu der Zeit meinte, das würde den Fall zu schwer machen.
Es ist eine Schande, wie Charles Enderlin lügt, eine Schande, wie der Nouvel Observateur das im Raume stehen läßt, eine Schande, daß der Fernsehsender France 2 diesem Fälscher nicht das Handwerk legt, eine Schande, daß der Conseil supérieure d´audiovisuel (CSA), der Rundfunk- und Fernsehrat, nichts unternimmt, und es ist eine Schande, wie die französische Politik sich der Medien bedient, um ihre Nahostpolitik durchzusetzen, gegen Israel, für die arabischen Staaten und für die Palästinenser.
Anmerkungen
(1) Ruder Finn, Inc
http://www.ruderfinn.com/default.asp?bhcp=1
Serbs are also victims -- of a massive propaganda campaign, by Charley Reese. The Orlando Sentinel on April 25, 1999
http://www.diaspora-net.org/food4thought/reese.htm
Les vérités Yougoslaves ne sont pas toutes bonnes à dire ? Par Jacques MERLINO, Albin Michel 1993
zitiert in: Kurt Köpruner: Reisen in das Land der Kriege, Espresso Verlag, Berlin 2001, S. 159 ff.
The Return of Ruder Finn (Background on a "Pro Bono" Advisor to Kofi Annan). John Rosenthal, Transatlantic Intelligencer, March 11, 2005
http://trans-int.blogspot.com/2005/03/return-of-ruder-finn-b ackground-on-pro.html
(2) Flucht und Vertreibung der Palästinenser in deutschen Online-Medien. Der Staat Israel erklärt feierlich sein Bedauern ... Das "Massaker von Tantura", von Gudrun Eussner, 22. Oktober 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-15-07.html
Übernommen bei Henryk M. Broder: Fremde Federn
http://www.henryk-broder.de/html/fr_eussner.html
Und im Katz-Directory des Dan Censor, Department of Electrical and Computer Engineering, 6. November 2003
http://www.ee.bgu.ac.il/~censor/katz-directory/
(3) Israelische Sicht:
The Israeli Camp David II Proposals for Final Settlement, July 2000. Mideast Web
http://www.mideastweb.org/campdavid2.htm
Palästinensische Sicht:
Camp David Projection, July 2000
http://www.passia.org/publications/bookmaps/page2.htm
(4) Die Briefmarke aus Ägypten ist hier abgebildet:
ERREUR, CULTE DE L´AUDIMAT OU SERVICE COMMANDE ? 26 octobre 2004
http://harald-tribune.skynetblogs.be/?date=20041028&number=1 &unit=weeks
(5) Wer erschoß Mohammed al-Dura? Von James Fallows. The Atlantic Monthly. Aus dem Englischen von Matthias Fienbork. Weltwoche.ch, 29/2003
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=5498&CategoryID=60
(6) Der Mörder ist immer der Jude. Die deutsche Medienberichterstattung über Israel ist voller Ressentiments. Jürgen Elsässer, Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, 24.11.2000. Jürgen Elsässer-Archiv
http://www.juergen-elsaesser.de/html/template.php?inhalt=arc hiv#
(7) "Wer erschoß Mohammed al-Dura?" HaGalil Online, 17. März 2002
http://www.nahost-politik.de/palaestina/al-dura.htm
(8) Le doute ne suffit pas. Le 13 avril 2002
http://www.antisemitisme.info/new/desinfosavril.htm
(9) DOSSIER "Contre-expertise d´une mise en scène", de Gérard Huber aux Editions Raphaël, mars 2003
http://www.primo-europe.org/dossier1.php
(10) Israël - Palestine : Comment la paix s´est fracassée. Par Sylvain Cypel, article paru dans "Le Monde" radio-télévision du Samedi 26 octobre 2002
http://mapage.noos.fr/moulinhg/Histoire/actuel/israel.palest .echec.negoc.html
(11) LES ALLIANCES DOUTEUSES DES INCONDITIONNELS D´ISRAËL. Au nom du combat contre l´antisemitisme. Par Dominique Vidal, Le Monde diplomatique, Décembre 2002
http://www.monde-diplomatique.fr/2002/12/VIDAL/17276
(12) Article paru dans le Figaro du 25 janvier 2005. Par Denis JEAMBAR et Daniel LECONTE
http://www.laveritemaintenant.org/Members/webmestre/Document .2005-01-27.2115
(13) Statement under oath by a photographer of France 2 Television. The killing of the child Mohammed al-Durrah by Israeli Occupying Forces was intentional and happened in cold blood, 3 October 2000
http://www.pchrgaza.org/special/tv2.htm
(14) Non à la censure à la source. Par Charles Enderlin, Le portail de la communité juive francophone. TOPJ.net, 27 janvier 2005
http://www.topj.net/fr/actus/info.tpl?sku_arch=3189698193107 1873&pays=IL
(15) Charles Enderlin, menteur en toutes les langues. Par Luc Rosenzweig . La Vérité maintenant. Thursday 03 February [13:31:00 GMT]
http://www.laveritemaintenant.org/Members/webmestre/Document .2005-02-03.4314
Metula News Agency http://www.menapress.com
(16) Nouveaux éléments accablants dans la mise en scène de Francetélévisions. Philippe Karsenty. Media-Ratings, 3 février 2005
http://www.m-r.fr/actualite.php?id=1083
(17) L´horreur manipulé? Par Jacques Bertoin avec Farid Alilat. Palestine, 23 janvier 2005
http://www.lintelligent.com/gabarits/articleJAI_online.asp?a rt_cle=LIN23015lhorrelupin0
(18) Guet-apens dans la guerre des images : Qui a tué le jeune Palestinien de Netzarim, le 30 septembre 2000 ? Des images et ses commentaires ont-ils été manipulés pour plus facilement accuser Israël ?
http://www.radiorcj.info/reecouter_detail.tpl?sku_arch=31901 043442802177
(19) The mysteries of an iconic video frame. By Doreen Carvajal, International Herald Tribune Online, 7 February 2005
http://www.iht.com/articles/2005/02/06/business/video07.html
Les mystères d´un montage d´icône vidéo. 8 février 2005 - Par D. Carvajal, International Herald Tribune. Traduction française de Simon Pilczer. DesInfos.com
http://www.desinfos.com/article.php?id_article=3043
(20) La haine envers Charles Enderlin correspondant de France 2 à Jérusalem: Pourquoi?
http://c.asselin.free.fr/french/enderlin.htm
Charles Enderlin invité de nouvelobs.com . OUVELOBS.COM | 08.02.05 | 17:47
http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20050208.OBS8325.htm l
(21) Le rêve brisé. Entretien avec Charles Enderlin. Diffusé 24 octobre 2002
http://www.la-bas.org/article.php3?id_article=450
(22) Enderlin : Prix de la Presse diplomatique pour "Le Rêve brisé"
http://www.upjf.org/documents/showthread.php?s=&threadid=351 9
(23) Prix du Livre politique, mars 2003
http://www.assemblee-nat.fr/evenements/livre-politique-2003- 2a.asp
(24) Affaire Al-Dura. Primo Europe, 7 février 2005
http://www.primo-europe.org/docs.php?numdoc=Me-22904579
(25) Forum du 10/02/2005 avec Charles Enderlin. NouvelObs.com
http://www.nouvelobs.com/forum/archives/forum_235.html
|