Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

El Oro de Canfranc - Portugal, Spanien und die Schweiz im Schein des Nazigoldes

Die drei vom Golde begl√ľckten L√§nder:

Wallala! Wallaleialala!
Lieblichstes Deutschland, lachst du nicht auch?
In des Goldes Schein wie leuchtest du schön!
O komm, Liebliches Deutschland, lache mit uns!
Heiajaheia! Heiajaheia! Wallalalala leiajahei!

(frei nach Richard Wagner: Das Rheingold, 1. Szene)

Nach fast f√ľnfzigj√§hrigem Bau, dessen ersten Spatenstich noch der Bourbonenk√∂nig Alfonso XII., "El Pacificador", im Jahre 1882 tut, wird am 18. Juli 1928 von seinem Nachfolger K√∂nig Alfonso XIII. und dem Pr√§sidenten Frankreichs Gaston Doumergue im Beisein des seit dem 13. September 1923 als Milit√§rdiktator herrschenden Generals Miguel Primo de Rivera y Orbaneja in den Zentralpyren√§en die franz√∂sisch-spanische Bahnlinie Pau-Canfranc und eine Bahnstation mit einem bombastischen Bahnhofsgeb√§ude er√∂ffnet: Canfranc. El T√ļnel de Somport, ein Eisenbahntunnel von fast acht Kilometern L√§nge, verbindet Spanien und Frankreich. Ein Vertrag zwischen den beiden Staaten bestimmt, dass der Bahnhof doppelte Nationalit√§t hat, obgleich sich der Tunnel auf spanischem Boden befindet. Diese doppelte Nationalit√§t wird im Zweiten Weltkrieg gro√üe strategische Bedeutung erlangen; denn die Bahnstation wird Umschlagplatz f√ľr Handelsg√ľter jeder Art zwischen Spanien und Europa, vor allem f√ľr den Handel mit Wolfram und Gold zwischen Deutschland, der Schweiz, Spanien und Portugal.

Die beiden anderen Bahnverbindungen zwischen Frankreich und Spanien sind Hendaye-Ir√ļn, im Baskenland, und Cerb√®re-Port Bou, in Katalonien. Ab 1940 mu√ü Canfranc der Gef√§hrdung Port Pous durch alliierte Bombardements sowie √úberschwemmungen wegen dessen gesamten Verkehr aufnehmen. √úber Ir√ļn-Hendaye werden wegen des schlechten Zustandes der Bahnstrecke auf Grund der Zerst√∂rungen durch die deutsche Legi√≥n C√≥ndor, im B√ľrgerkrieg 1936 bis 1939, keine Waren geleitet. Au√üerdem ist die Wegstrecke f√ľr das Gold aus der Schweiz nach Portugal √ľber Canfranc die k√ľrzeste: Bellegarde/Schweiz - Grenoble - N√ģmes - Narbonne - Toulouse - Pau - Olor√≥n - Canfranc.

Jonathan Díaz findet alte vergilbte Papiere

Seit dem Entgleisen durch Bremsversagen eines mit 320 Tonnen Mais beladenen Zuges auf der Strecke Canfranc-Olor√≥n, im Jahre 1970, wobei die Br√ľcke von Estanget zerst√∂rt wird, sind die Strecke und der Bahnhof stillgelegt, und es ist ein Busverkehr eingerichtet. Der Franzose Jonathan D√≠az, in den 40ern, Sohn spanischer Emigranten und Busfahrer, f√§hrt die Strecke Olor√≥n-Canfranc t√§glich hin und zur√ľck. In Canfranc angekommen, hat er zur Mittagszeit zwei Stunden Aufenthalt. Er nutzt sie, statt im Bus zu schlafen oder in der Bar des Ortes Karten zu spielen, zu ausgiebigen Abenteuerspazierg√§ngen in die Umgebung von Canfranc.

An einem solchen Tag, im November 2000, ist es kalt, und es regnet in Canfranc; deshalb beschlie√üt er, sich ein wenig in der Bahnstation umzuschauen. Er hat von Dorfbewohnern schon einiges von angeblichen Goldtransporten w√§hrend des Zweiten Weltkrieges geh√∂rt. Er geht los, ohne recht zu wissen, was er eigentlich sucht, und findet zwei verlassene Waggons mit einigen Dokumenten. Es sind Kopien von Zollpapieren, die √ľberall verstreut herumliegen. Einige davon, acht oder zehn B√§nde, nimmt er mit, um sie in Ruhe zu Hause, in Olor√≥n, zu lesen. Sie sind in spanischer Sprache verfa√üt. "Einfuhr von Goldbarren", liest er als erstes. Geistesgegenw√§rtig beschlie√üt er, noch in der n√§chsten Nacht in den Bahnhof zur√ľckzukehren und so viele Papiere zu retten, wie m√∂glich. Das ist zu der Zeit nicht einfach, denn die Grenze wird auf Grund der letzten terroristischen Anschl√§ge der ETA Tag und Nacht bewacht. Die spanische Polizei der Unidad Especial de Intervenci√≥n (UEI) schmunzelt, als er ihr von einem netten Abend in sch√∂ner Gesellschaft erz√§hlt. Viel Spa√ü w√ľnscht sie ihm.

In den G√§ngen der Bahnstation findet er weitere Kopien von 60 Jahre alten Zollpapieren. Darunter sind viele Bl√§tter, datiert 1942/43, versehen mit Reichsadler, Hakenkreuz und Unterschrift des preu√üischen Polizeipr√§sidenten. Weder die Renfe, die spanische Bahn, spanische Beh√∂rden noch sonst jemand interessiert sich f√ľr sie. Niemand wei√ü, wo die Originale dazu sind. Mehrere Touristen und Pilger auf dem Sankt Jakobspfad steigen schon einige Jahre vor Jonathan D√≠az in das Labyrinth. Einer von ihnen wei√ü, dass sich Hitler und Franco in den 30er Jahren dort getroffen und zwei Stunden miteinander konferiert haben. Wor√ľber? Wer wei√ü. Ein anderer findet den Bahnhof "alt und ein bisschen verfallen, aber sch√∂n". Isabel, aus der Kaffeebar von Canfranc berichtet: "Im November, Dezember kommen sehr viele Skil√§ufer und fragen dann immer sofort: ¬īOh, wo ist der ber√ľhmte Bahnhof?¬ī "

Alle sind fasziniert von der √Ąsthetik des "gottverlassenen Tales", des "verwunschenen" Dorfes Canfranc und seines Bahnhofsgeb√§udes, der "Titanic der Pyren√§en". Das Durcheinander der √ľber 100 qm aus K√∂rben verstreuten Papiere sagt ihnen nichts. F√ľr sie ist es ein "Objekt der surrealistischen Phantasie". Von den politischen und milit√§rischen Zusammenh√§ngen des Umschlagplatzes f√ľr das Nazigold haben sie keine Ahnung. Manche von ihnen glauben, der Bahnhof w√§re im Zweiten Weltkrieg au√üer Betrieb gewesen. (1)

Jonathan D√≠az findet und birgt systematisch Kopien von Dokumenten √ľber die Zusammenstellung durch Spanien von Transporten des Nazigoldes in LKWs. Er findet Dokumente √ľber Warentransporte nach Portugal sowie √ľber solche Waren, die in Spanien verbleiben, √ľber f√ľr Portugal bestimmte acht Tonnen Webgarn, zwei Tonnen Z√ľndschn√ľre, vier Tonnen leere F√§sser usw.

45 Eisenbahntransporte. Sie passieren zwischen dem 16. Juli 1942 und dem 27. Dezember 1943, aus der Schweiz kommend, mit insgesamt 86,6 Tonnen Nazigold die franz√∂sische Grenze zum Pyren√§enort Canfranc. Auf dem Bahnhof franz√∂sisch-spanischer Nationalit√§t weht die Hakenkreuzfahne. Auf die spanische Nationalit√§t des Gel√§ndes nehmen die Deutschen keine R√ľcksicht. 39 Transporte, franz√∂sische Waggons, beladen mit 74,5 Tonnen Goldes, werden unter Bewachung deutscher Soldaten auf LKWs einer Schweizer Speditionsfirma verladen und gehen nach Portugal, sechs eben solche, mit 12,1 Tonnen, bleiben in Spanien, wo Teile davon nach Pasajes, einem Hafen im Baskenland weitergeleitet werden. Es gibt an die 100 Schweizer LKWs, die daf√ľr in Canfranc bereit stehen. Die Transporte nach Portugal werden von Deutschen bis nach Lissabon, und von spanischen Truppen bis zum spanisch-portugiesischen Grenzort Badajoz begleitet. Ein Abkommen zwischen den neutralen Staaten Spanien und Portugal macht¬īs m√∂glich. (2)

Eine Tonne sind 1000 Kilogramm. Die 86,6 Tonnen Goldes haben 1942/43 den Wert von ca. $102,7 Millionen. Der heutige Wert betr√ľge gesch√§tzte etwa $1.23 Milliarden.

Eine Erwähnung des Umschlagplatzes Canfranc findet sich bei Otto Fletcher, von der Foreign Economic Administration (FEA) der USA. Er ist nach dem Zweiten Weltkrieg eines der Mitglieder der Alliiertenkommission zur Untersuchung der Herkunft des Goldes in Spanien.

Renfe l√§√üt die f√ľr die Erhellung der Geschichte wichtigen Papiere samt der Bahnstation von Canfranc verkommen. Als der Fund, an dem Renfe seit fast 60 Jahren niemals Interesse bekundet, in den wichtigsten spanischen Zeitungen ver√∂ffentlicht wird, u.a. von Ram√≥n J. Campo im "Heraldo de Arag√≥n", verklagt Renfe den Finder und Hobby-Forscher Jonathan D√≠az wegen "Aneignung" dieser Papiere. Er habe sie widerrechtlich ins Ausland verbracht. Der Ausgang des Prozesses ist mir nicht bekannt. Renfe jedenfalls ist an einer Wiederer√∂ffnung der Bahnlinie und des Bahnhofes samt seinem Hotel nicht gelegen. Im M√§rz 2003 gibt es einen Antrag des Partido Aragon√©s (PAR) auf umgehende Wiederer√∂ffnung der Strecke Huesca-Canfranc. (3) Es soll zwischen Pau und Huesca der TGV fahren. Der B√ľrgermeister von Canfranc Victor Lopez hat gro√üe Pl√§ne f√ľr die Restaurierung des Bahnhofes, die Errichtung eines F√ľnfsterne-Hotels, und die Erweiterung der Bahnstrecke. (1)

Die Schweiz und die Goldtransaktionen im Zweiten Weltkrieg

Die Goldtransporte sind ein Teil der 184 Tonnen, die w√§hrend des Zweiten Weltkrieges, von 1942 bis Mitte 1944 √ľber den Schweizer Grenzort Bellegarde und durch Frankreich nach Spanien und Portugal gehen. Sie sind wiederum ein Teil der Gesamtmenge des Goldes, das zwischen Januar 1939 und dem 30. Juni 1945 von der Reichsbank an die Schweizer Nationalbank, in Bern, verbracht wird. Das Gold hat seinerzeit einen Gesamtwert von ungef√§hr $400 Millionen, das entspricht im Jahr 1997 einem Wert von $3.9 Milliarden. Dreiviertel davon, mit einem Wert von $276 Millionen (1997: $2.7 Milliarden) kauft die Schweizer Nationalbank. Der Rest geht zur Bezahlung von Waren und Rohstoffen direkt auf die Konten anderer L√§nder. Dreiviertel dieses Goldes, im heutigen Wert von an die $3 Milliarden, sind geraubt. (4)

Die Schweizer Bankiers wissen, dass die Reichsbank Anfang des Krieges soviel Gold gar nicht besitzen kann, und dass die Sch√§tze aus den Tresoren eroberter L√§nder in die Verf√ľgungsgewalt der Reichsbank gelangt sein m√ľssen. Seit 1941 ist den Schweizer Beh√∂rden und Banken bekannt, und diese Kenntnis ist heute dokumentarisch belegt, dass die Nazis einen Teil des Goldes einzelnen Personen, einschlie√ülich der Opfer in den Konzentrationslagern, geraubt haben. Diese Werte aus pers√∂nlichem Besitz von lebenden und von toten Auschwitzh√§ftlingen und von H√§ftlingen anderer KZs stammen gr√∂√ütenteils aus dem vom SS-Hauptsturmf√ľhrer Bruno Melmer, dem Zahlmeister und Buchhalter der SS, verwalteten Raubgold mit einem damaligen Wert von mehr als $140 Millionen. Er liefert das in den KZs provisorisch eingeschmolzene Gold in Kisten, S√§cken und Beuteln an das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS. Von dort geht der Raub an die Reichsbank. Sie versieht die Barren mit Nummern und leitet sie an die Firma Degussa, die es mit anderem Gold zu handels√ľblichen Barren einschmilzt, die sie an die Reichsbank zur√ľckgibt. Diese verkauft sie gegen Schweizer Franken oder portugiesische Escudos an die Schweizer Nationalbank.

Allein in den Tresoren der Deutschen Bank kommen 744 Goldbarren an, 29 Prozent des heute bekannten Opfergoldes. Andere deutsche Banken, wie die Dresdner Bank, die Vertrauensbank der SS, sind ebenfalls am Opfergold beteiligt. Am Kriegsende lagern in Z√ľrich noch 322 Kilogramm deutschen Goldes. (5)

Zu den Goldtransaktionen kommt noch der Handel mit den j√ľdischen Opfern geraubten Juwelen, die mit Diplomatenpost an die Deutsche Botschaft in Bern gehen und dort von deutschen Agenten √ľbernommen und in der Schweiz gegen Industriediamanten und konvertierbare W√§hrungen gehandelt werden. (6)

Spanien und Portugal beliefern die Kriegsmaschinerie Nazideutschlands

Die im Krieg neutralen Handelspartner der Deutschen weigern sich, Reichsmark anzunehmen, die f√ľr ihre Gesch√§fte mit den Alliierten wertlos sind. Nur Schweizer Franken oder nicht-monet√§re Gesch√§fte, Gold gegen Ware, bleiben den Deutschen √ľbrig.

Portugal hat seit Jahrhunderten Allianzen mit Gro√übritannien, das sein wichtigster Handelspartner ist. Danach folgt Deutschland, das seit der Besetzung Frankreichs einen direkten Landweg zur iberischen Halbinsel nutzen kann. Spanien unter General Francisco Franco erkl√§rt zwar 1939 seine Neutralit√§t, ist aber Deutschland verpflichtet, da er durch deutsche milit√§rische Unterst√ľtzung den B√ľrgerkrieg gewonnen hat. Sowohl Spanien als auch Portugal erhalten ab 1940 √ľber den Landweg gr√∂√üere Mengen wichtiger G√ľter, als die Alliierten ihnen liefern k√∂nnen.

F√ľr Deutschland ist der Handel mit Spanien und Portugal kriegswichtig. Beide L√§nder liefern das f√ľr die Waffenproduktion sowie f√ľr andere Industrien wichtige Schwermetall Wolfram, ein Metall aus der Chromgruppe. Wolfram dient zur H√§rtung des Stahls, zur Herstellung von Tungstein. (7)

Ohne Wolfram h√§tte Deutschland den Krieg nicht fortsetzen k√∂nnen. Der Krieg w√§re innerhalb von drei Monaten zu Ende gewesen. Deutschland ist abh√§ngig von den Lieferungen aus Spanien und vor allem aus Portugal, das zwischen 1941 und Mitte 1944 j√§hrlich mehr als 2000 Tonnen Wolfram an Deutschland liefert, ungef√§hr 60 Prozent seines Mindestbedarfs von 3500 Tonnen j√§hrlich. Daf√ľr erh√§lt es insgesamt 124 Tonnen Nazigold. Antonio Oliveira Salazar erkl√§rt 1944, dass der Krieg h√§tte verk√ľrzt werden k√∂nnen, wenn diese Lieferungen ausgeblieben w√§ren. Das hindert ihn nicht, weiter zu liefern; denn er sympathisiert sehr mit Nazideutschland. Au√üerdem bef√ľrchtet er, dass Deutschland sonst von Frankreich aus Portugal angreifen k√∂nnte. Er stellt den Briten und sp√§ter den Amerikanern ab Oktober 1943 Milit√§rbasen in den Azoren zur Verf√ľgung.

Beide Staaten verlangen von Deutschland, das Gold in der Schweiz gegen Schweizer Franken oder gegen Escudos zu verkaufen. Mit diesem Geld kaufen sie von der Schweiz das deutsche Gold, jedenfalls in den meisten F√§llen. Sie wollen das Geld von der Schweizer Nationalbank "gewaschen" haben, um so ihre Beziehungen zu den Alliierten nicht zu gef√§hrden. Mit denen treiben sie ebenfalls schwunghaften Handel. Im letzten Trimester 1941 und den ersten Monaten des Jahres 1942 organisiert die Bank f√ľr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ohne Unterbrechung Goldtransporte deutschen nicht-monet√§ren Goldes (Gold gegen Ware) nach Lissabon. Zwanzig Tonnen kosten 100 Millionen Schweizer Franken. (8)

Deutschland bezahlt die Importe mit G√ľtern, mit seinen durch Raubgold erworbenen Escudos und Schweizer Franken sowie direkt mit Gold. Dazu geh√∂ren wahrscheinlich die √ľber Canfranc geheim verladenen 74,5 Tonnen. In Spanien und in Portugal herrschen mit Francisco Franco und Antonio Oliveira Salazar zwei den Achsenm√§chten sehr gewogene faschistische Diktatoren, die den Krieg dazu nutzen, von beiden Seiten zu profitieren. So ist w√§hrend des Krieges nicht nur Deutschland, sondern auch Gro√übritannien bei Portugal mit Hunderten von Dollar in der Schuld.

Der Preis f√ľr Wolfram steigt ab 1942 von $75 auf $16800 pro Tonne. Francisco Franco setzt Mindestpreise fest. Es kaufen die Alliierten und Deutschland.

Das neutrale Spanien liefert nicht nur dieses wertvolle Schwermetall, sondern bis 1943 auch reichlich andere kriegswichtige G√ľter, es liefert Geheiminformationen und Truppen, die Blaue Division, f√ľr die Ostfront. Spanien ist nach Portugal der zweitwichtigste Lieferant f√ľr Wolfram. Zwischen 1941 und 1943 liefert es mehr als 1100 Tonnen j√§hrlich. Es deckt damit etwa ein Drittel des Bedarfs. Deutschland unterh√§lt zur Ausbeutung der Wolframminen eine eigene Firma, SOFINDUS, die 1943 ungef√§hr 83 Tonnen Goldbarren aus der Schweiz bezieht. Zwischen Februar 1942 und Mai 1945 erh√§lt Spanien von Deutschland 123 Tonnen Goldes, wovon 11 Tonnen direkt aus Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten stammen. Bezahlt werden die Lieferungen auch mit den 12,1 Tonnen Raubgoldes von Canfranc. Gold mit LKWs nach Spanien zu verbringen wird Ende 1942 n√∂tig, weil Deutschland die Wolframlieferungen nicht mehr anders bezahlen kann. (9)

Die Regierung der spanischen Republik bezahlt zur Verteidigung der Republik gegen den Aufstand der Milit√§rs, vom 18. Juli 1936, f√ľr Waffenlieferungen an Frankreich und sp√§ter f√ľr schlechtes Material an Russland 707 Tonnen Goldes, so dass sein Tresor leer ist zu Beginn des Zweiten Weltkrieges.

In Nachkriegsverhandlungen mit den Alliierten wollen Spanien und Portugal nichts von dem Nazigold zur√ľckgeben. Sie behaupten, nichts von der Herkunft gewu√üt zu haben. Spanien bestreitet, dass es Kriegsmatierial an Nazideutschland im Austausch mit von j√ľdischen Opfern geraubtem Gold geliefert habe. Portugal behauptet sogar, niemals zwischen 1938 und 1945 Gold aus Deutschland bekommen zu haben. (7)

Die internationale Unabhängige Expertenkommission zur Untersuchung der Goldtransaktionen (UEK)

Die Schweizer Regierung setzt in den 90er Jahren eine internationale Expertenkommission von neun Historikern zur Untersuchung der Goldtransaktionen mit Deutschland im Zweiten Weltkrieg ein, die Bergier-Kommission, benannt nach ihrem Präsidenten François Bergier. Weitere Kommissionsmitglieder sind vier schweizerische und vier ausländische Historiker, aus Grossbritannien, Israel, Polen und den USA, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Fachkompetenz ad personam ernannt werden. (10)

Sie gibt zun√§chst einen Zwischenbericht ab und dann, am 25. Mai 1998 den Originalbericht. Dieser Bericht wird, erg√§nzt und √ľberarbeitet, im Jahre 2002 erneut herausgegeben. Demgem√§√ü handelt die Schweiz w√§hrend des Zweiten Weltkrieges mit dreierlei Gold, wobei das Gold der ausgeraubten Zentralbanken davon die gr√∂√üte und wichtigste Menge ist:

  • Gold, das sich das NS-Regime vorwiegend seit 1938 bei Privatpersonen im Inland und in den eroberten Gebieten durch Beschlagnahme und Pl√ľnderung beschaffte,
  • Gold von ermordeten und √ľberlebenden Opfern der NS-Vernichtungspolitik (Opfergold),
  • Gold aus den W√§hrungsreserven von Zentralbanken besetzter L√§nder. (11)

Die UEK schlie√üt am 19. Dezember 2001 ihre Arbeit ab und l√∂st sich auf. Am 22. M√§rz 2002 werden der Schlussbericht und die letzten sieben Studien und Beitr√§ge zur Forschung der √Ėffentlichkeit vorgestellt. Die Homepage der UEK bleibt unter der Regie der Bundeskanzlei weiter bestehen. (12)

Der Zug der Freiheit. Flucht der Juden. Ankunft der Nazis in Canfranc

Es soll hier nur kurz erw√§hnt werden, dass Marc Chagall, Max Ernst und Hunderte von anderen Juden √ľber Canfranc vor den Nazischergen fliehen k√∂nnen. Canfranc - Lissabon - USA hei√üt die Route. Zahlreiche Juden schaffen vor allem nach der Besetzung Canfrancs durch die Nazis, Ende 1942, die Flucht nicht. Sie werden deportiert. Einige liegen auf dem Friedhof von Canfranc begraben.

Canfranc ist ebenfalls der Ort f√ľr Agenten des franz√∂sischen Widerstandes, f√ľr den "K√∂nig von Canfranc" Albert Le Lay, Chef des franz√∂sischen Zolls, Oberst Remy und andere, wie die "Helden der spanischen Pyren√§en".

Ein 956 Seiten starker Bericht der UEK, in vier Sprachen, pr√§sentiert am 10. Dezember 1999, befa√üt sich mit der Politik der Schweiz gegen√ľber den Fl√ľchtlingen, w√§hrend des zweiten Weltkrieges: "Die Schweiz und die Fl√ľchtlinge zur Zeit des Nationalsozialismus", samt Beiheften zum Personentransit, zu den deutschen L√∂segelderpressungen in den Niederlanden, zu den Fl√ľchtlingen als Thema der √∂ffentlichen politischen Kommunikation und zu den rechtlichen Aspekten der Fl√ľchtlingspolitik. (12)

Das unsichtbare Visier

Nach dem Zweiten Weltkrieg dienen Goldreserven der Nazis sowohl in Portugal und Spanien als auch in Argentinien dazu, dass einige der schlimmsten Nazi-Kriegsverbrecher sich aus Deutschland absetzen k√∂nnen. Der Vatikan hilft ihnen dabei. Wer erinnert sich nicht der spannenden DDR-Serie, von 1973, "Das unsichtbare Visier", wo gezeigt wird, wie die Verbrecher √ľber Italien nach Argentinien geschleust werden.

Die von Otto Skorzeny gegr√ľndete geheime Organisation ODESSA verhilft dem SS-Arzt Josef Mengele √ľber Argentinien und Paraguay nach Brasilien, Gestapo-Chef und SS-Gruppenf√ľhrer Heinrich M√ľller entkommt, wie auch der Gestapo-Chef von Lyon Klaus Barbie, der "Schl√§chter von Lyon", wie Adolf Eichmann, den der Mossad 1961 aus Argentinien entf√ľhrt, wie Alois Brunner, der noch immer nicht gefunden ist, wie viele andere. (13)

Die SS transferiert schon w√§hrend des Krieges gro√üe Summen Geldes und Goldes zur Finanzierung ihrer Flucht ins Ausland, beispielsweise in den baskischen Hafen Pasajes/Spanien und von dort nach S√ľdamerika. Einige der Verbrecher k√∂nnen aber auch im Schutz der Diktatoren Antonio Oliveira Salazar und Francisco Franco ruhig in Europa bleiben. So zeigt sich die angebliche Neutralit√§t dieser Diktatoren bis zuletzt. Die Alliierten lassen sie gew√§hren, da mit dem Kampf gegen den Kommunismus und gegen die Sowjetunion neue Aufgaben anstehen. Portugal ist Gr√ľndungsmitglied der NATO, ebenso wie die ehemalige Achsenmacht Italien.

22. September 2004 - Links aktualisiert, am 5. September 2005

Anmerkungen

(1) Die Titanic der Pyrenäen. Ortserkundungen (1), von Kristine von Soden. Co-Produktion SWR/DLF, Sendung, vom 3. August 2004, 19:15-20:00 Uhr
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hoerspiel/283774/

(2) Soweit nicht anders vermerkt, sind die Informationen dem Buch des spanischen Rechtswissenschaftlers, Autors und Journalisten Ramón J. Campo entnommen: Ramón J. Campo: El Oro de Canfranc. Biblioteca Aragonesa de Cultura, Zaragoza 2002

El Oro de Canfranc. Por Ramón J. Campo y Heraldo.es
http://www.heraldo.es/canfranc/

(3) Reapertura del Canfranc ¡YA! Enero 2004. Marta Usón. Candidata del PAR por Huesca al Congreso de los Diputados y diputada en las Cortes de Aragón
http://www.partidoaragones.es/opinion/uson/opiUson0402191.ht m

(4) U.S. and Allied Efforts To Recover and Restore Gold and Ohter Assets Stolen or Hidden by Germany During World War II. Preliminary Study, Coordinated by Stuart E. Eizenstat, Prepared by William Z. Slany, The Historian, Department of State, May 1997 (259 Seiten)
http://www.state.gov/www/regions/eur/ngrpt.pdf

Nazi Gold. German Culture, February 2, 2000
http://www.germanculture.com.ua/library/weekly/aa020200b.htm

(5) Holocaust Reverberation: The Emerging Story of Nazi Gold, by Stuart Eizenstat, Under Secretary for Economic, Business and Agricultural Affairs. Address to the United Jewish Appeal National Young Leadership Conference, Washington D.C., March 23, 1998

Law-Related Resources on Nazi Gold and Other Holocaust Assets, Swiss Banks during World War II, and Dormant Accounts. Updated 13 June 2003
http://www.lib.uchicago.edu/~llou/nazigold.html

Das Deutsche Bank-Geheimnis. Die Zeit Nr. 34/1998
http://zeus.zeit.de/text/archiv/1998/34/199834.deutsche_.xml

(6) Monetary and Non-Monetary Gold. Holocaust Assets Report. A Teachers Guide to the Holocaust
http://fcit.coedu.usf.edu/holocaust/resource/gold/GoldS6.htm

(7) Das ebenfalls kriegswichtige Chrom wird an Deutschland von der neutralen T√ľrkei geliefert, in einigen Kriegsjahren liefert es 100 Prozent des ben√∂tigten Chroms. Das neutrale Schweden liefert Eisen und Kugellager. Das neutrale Argentinien liefert G√ľter und macht sich wie Spanien und Portugal als Sympathisant der Nazis n√ľtzlich.

Report: Neutral nations¬ī trade kept Nazi war machine going. Spain, Turkey respond to U.S. details on use of looted gold. CNN.com, Jerrold Kessel and AP, June 2, 1998
http://www.cnn.com/US/9806/02/us.nazi.gold/#2

1996 stammen Dreiviertel der Wolframlieferungen aus dem Einzugsgebiet des Yangtse, in China. Aus Russland stammen neun und aus Portugal vier Prozent.

Alfred Haid, Eberhard Wettig: Konzentrationstendenzen im Weltbergbau. Wochenbericht des DIW 3/00
http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberic hte/docs/00-03-1.html

(8) Zum Thema Geldw√§sche in der Schweiz, im Zweiten Weltkrieg siehe: Gian Trepp: Bankgesch√§fte mit dem Feind. Die Bank f√ľr Internationalen Zahlungsausgleich im Zweiten Weltkrieg. Von Hitlers Europabank zum Instrument des Marshallplans. Rotpunktverlag, Z√ľrich 2000
http://www.treppresearch.com/bankgeschäfte_mit_dem_feind.htm

(9) New Supplement to the State Department Report on Holocaust Assets. Jewish Virtual Library, June 1998
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/assets 1.html

(10) Bergier Report on Swiss Refugee Policy (December 10, 1999). Jewish Virtual Library
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/Bergie r.html

(11) Die Schweiz und die Goldtransaktionen im Zweiten Weltkrieg. UEK (Hg.) Ver√∂ffentlichungen der Unabh√§ngigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg, Band 16, √úberarbeitete und erg√§nzte Fassung des Zwischenberichts, Chronos-Verlag, Z√ľrich 2002
http://www.uek.ch/de/schlussbericht/Publikationen/Zusammenfa ssungen/16goldtransaktionen.htm

(12) Unabhängige Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg (UEK)
http://www.uek.ch/de/index.htm

(13) ODESSA. Organisation der ehemaligen (oder entlassenen) SS-Angehörigen. Von Friedrich Paul Heller. Lexikon. Informationsdienst gegen Rechtsextremismus
http://lexikon.idgr.de/o/o_d/odessa/odessa.php



Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken